Eine neue Asthmatherapie zahlt sich durch einen paradoxen Behandlungsverlauf aus: Sie verschlimmert zunächst die Atemwegsbeschwerden, bis sie nach etwa vier Wochen zu einer dauerhaften Linderung der Symptome führt. Das haben amerikanische Forscher um den Mediziner Richard Bond von der Universität in Houston zunächst in Versuchen mit Mäusen gezeigt und nun in einer Pilotstudie mit Patienten bestätigt. Die Mediziner gaben den Patienten sogenannte Betablocker, die bestimmte Rezeptoren im Stoffwechselkreislauf blockieren. Bislang werden Betablocker bei Asthma nicht verschrieben, da sie die Symptome verschlimmern. Die Mediziner um Bond konnten hingegen zeigen, dass mit der richtigen Dosierung vier Wochen nach Behandlungsbeginn eine anhaltende positive Wirkung einsetzt.
Nach Ansicht der Forscher deutet sich ein Paradigmenwechsel in der Asthmatherapie an. Bislang wurden akute Asthmaattacken mit Medikamentensprays behandelt, die die Atemwege entspannen. Betablocker wurden jedoch vermieden, da sie die Atemwege zusätzlich blockieren. Doch dies gilt nur vorübergehend. Werden sie nämlich in bestimmter Dosierung über längere Zeit eingenommen, so können sich die Atemwege dauerhaft entspannen.
Die Mediziner behandelten zehn Asthmapatienten über neun Wochen mit ansteigenden Dosen des Betablockers Nadolol. Bei acht Patienten trat eine deutliche Besserung der Symptome ein. Die Forscher stellten zunächst fest, dass die Therapieform gut vertragen wird, sicher ist und die sich abzeichnende Wirksamkeit weitere Studien rechtfertigt. Sie wollen diesen Therapieansatz bis in die Praxis weiter entwickeln. Betablocker sollen die Asthmasprays allerdings nicht verdrängen. Bei akuten Asthmaanfällen seien Sprays weiterhin das Medikament der Wahl, erläutern die Forscher.
Der Forscher Bond weist darauf hin, dass Betablocker auch in ihrem derzeitigen Haupteinsatzbereich, den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einen ähnlichen Paradigmenwechsel durchgemacht hatten. Auch bei Herzinsuffizienz galten Betablocker als ungeeignet, da sie die Herzaktivität zunächst verringern. Nach wenigen Monaten stärken sie indes das Herz, so dass Betablocker hier nun als Therapiestandard gelten.
Mitteilung der University of Houston ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





