Unseren geschätzten Honigproduzenten und Bestäubern geht es schlecht: Viele Bienenvölker sind geschwächt und die Verlustraten sind hoch. Untersuchungen zufolge ist dafür eine Mischung aus verschiedenen Ursachen verantwortlich: Nahrungsmangel, Pestizide und verschiedene Krankheitserreger machen den Insekten zu schaffen – doch ihr größtes Problem ist ein hartnäckiger Parasit. In den letzten 50 Jahren hat sich die ursprünglich aus Südostasien stammende Varroamilbe vor allem in Europa und Amerika ausgebreitet. Die Parasiten schwächen die Honigbienen, indem sie den erwachsenen Tieren und auch den Larven Körpersäfte abzapfen. Außerdem übertragen sie dabei virale Krankheitserreger, die den Bienen zusätzlich zu schaffen machen. Vor allem schränkt der Parasitenbefall die Fähigkeit der Völker ein, den Winter zu überstehen.
Um Totalausfälle zu vermeiden, bleibt Imkern oft nur der Griff zur chemischen Keule. Doch die Bekämpfung der Milben durch Pestizide ist problematisch: Rückstände der Wirkstoffe können im Honig landen und außerdem entwickeln die Milben zunehmend Resistenzen gegen die Substanzen. Ähnlich wie im Pflanzenschutz sucht man deshalb auch im Bienenschutz nach möglichst schonenden und nachhaltigen Alternativen. Ein Ansatz ist dabei die Entwicklung von Bienen-Zuchtlinien, die gesteigerte Widerstandskraft gegenüber dem Parasitenbefall besitzen. Seit Jahren widmen sich internationale Bienenzüchter und verschiedene Organisationen diesem Ziel und konnten bereits beachtliche Erfolge vorweisen.
„Pol-line-Honigbienen“ im Test
Nun berichtet ein Forscherteam von neuen Testresultaten einer Varroamilben-resistenten Zuchtlinie, die in den letzten 20 Jahren durch den Agricultural Research Service des Landwirtschaftsministeriums der USA entwickelt wurde. Die Widerstandskraft der sogenannten Pol-line-Honigbienen wurde nun erstmals umfangreich in kommerziellen Bienenstöcken, die Bestäubungsleistungen erbringen und Honig produzieren sollen, erprobt. Dabei wurde vor allem die Fähigkeit der Insekten überprüft, trotz der Belastung durch die Milben den Winter zu überleben. Die Experimente fanden mit Pol-line-Völkern sowie herkömmlichen Kontroll-Bienen in den US-Bundesstaaten Mississippi, Kalifornien sowie North Dakota statt.
Wie die Wissenschaftler berichten, zeichnete sich die Überlegenheit der Pol-line-Honigbienen deutlich ab: Den Untersuchungsergebnissen zufolge waren die Völker der Zuchtlinie im Vergleich zu den Kontrollen deutlich weniger von den Parasiten betroffen und dies spiegelte sich auch in der winterlichen Überlebensrate wider: Bei den milbenresistenten Bienen war die Wahrscheinlichkeit, den Winter zu überleben, im Durchschnitt mehr als doppelt so hoch wie bei den Standard-Honigbienen, berichten die Forscher. Auch wenn chemische Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Milben durchgeführt wurden, ergab sich noch ein deutlicher Vorteil, geht aus den Auswertungen hervor. „Diese Möglichkeit, eine hohe Überlebensrate der Bienenvölker bei reduzierter oder gar keiner Varroabehandlung zu erreichen, kann den Imkern viel Geld und Zeit sparen”, sagt Co-Autor der Molekularbiologe Michael Simone-Finstrom vom Genetics and Physiology Laboratory in Baton Rouge.





