Ungeklärt war bisher, ob sich unser Hirn eine neue Version der Ereignisse zurechtlegt, sobald wir das Ergebnis unseres Handelns kennen, oder ob wir die Situation – eventuell in Erwartung eines bestimmten Ausgangs – tatsächlich unterschiedlich wahrnehmen. Michiko Yoshie und Patrick Haggard vom University College London gehen dieser Frage in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Current Biology” auf den Grund.
Verzerrte Wahrnehmung ist keine Entschuldigung
34 Probanden mussten in ihrem Experiment wiederholt auf einen Knopf drücken. Es folgten entweder positive Geräusche – Lob oder Lachen -, negative Geräusche – Ausrufe der Angst oder des Ekels -, oder neutrale Töne. Im Gegensatz zu früheren Experimenten zum Sense of Agency wurden die Laute nicht willkürlich eingespielt, sondern waren nach Durchläufen geordnet. So konnten die Teilnehmer vorhersehen, ob ihr Knopfdruck eine positive, negative oder neutrale Reaktion erzeugen würde. Die Verzögerung zwischen Knopfdruck und Geräusch betrug immer exakt 250 Millisekunden. Die Probanden sollten diese Zeitspanne einschätzen, indem sie sich merkten, wo der Zeiger einer schnell laufenden Uhr stand als sie drückten beziehungsweise als sie das Geräusch vernahmen.
Wie sich herausstellte, beeinflusste die Art des Geräusches das Zeitgefühl der Versuchsteilnehmer: Waren die Geräusche neutral oder positiv, erschien ihnen die Verzögerung nahezu unmerklich. Reagierten die Stimmen vom Band mit Angst oder Ekel auf den Knopfdruck, kam ihnen die Pause länger vor. Nach Ansicht der Forscher belegt dies, dass wir spätestens beim Wissen um den Ausgang einer Situation diese entsprechend unterschiedlich empfinden. „Dabei handelt es sich nicht bloß um eine nachträgliche Rechtfertigung dazu, wie gut wir uns geschlagen haben: Unser Erlebnis verändert sich, einschließlich grundlegender Aspekte wie dem Zeitempfinden” , sagt Haggard. „Diese Ergebnisse zeigen, dass Menschen wohl tatsächlich weniger Verantwortung für negative Folgen empfinden als für positive.”
Offenbar liegt es also in unserer Natur, uns für Fehlschläge nicht verantwortlich zu fühlen. Was sollen wir tun? Wir haben es doch ganz anders erlebt! Doch so einfach macht Haggard es uns nicht. „Die Wahrnehmung unserer Handlungen ist nicht das Gleiche wie die Wahrheit über unsere Handlungen”, sagt er. „Wir müssen Verantwortung für das übernehmen, was wir tun – nicht bloß dafür, was wir erleben.”





