„LANG ANHALTENDE FRISCHE” oder dergleichen steht heute auf vielen Waschmitteln und Weichspülern. Dass Kleidung mittlerweile noch Tage nach dem Waschen frisch duftet, liegt an einer Technologie, die für andere Einsatzgebiete gedacht war. Als Experten 2002 einen explodierenden Markt für Mikrokapseln voraussagten (bild der wissenschaft 9/2002, „Duftender Verschleiß” ), dachten sie hauptsächlich an Schmierstoffe oder Dünger. Der Boom hat jedoch anderswo stattgefunden: bei Duftstoffen. Genaue Zahlen sind Mangelware. Der Deutsche Verband der Riechstoff-Hersteller wagt eine Schätzung: Rund 250 000 Tonnen Weichspüler gehen hierzulande pro Jahr über die Ladentheke – bei einem Anteil von durchschnittlich 0,5 Prozent an Mikrokapseln (nicht jeder Weichspüler enthält welche) sind das 1250 Tonnen Kapseln pro Jahr.
Nur 10 bis 100 Mikrometer (tausendstel Millimeter) sind die Kunststoffperlen groß, mit bloßem Auge also nicht zu erkennen. Im Prinzip kann man alles in ihnen unterbringen: Medikamente, Wachs, Tinte, Brandhemmer. „Die Mikroverkapselung hat sich aber besonders im Bereich Duftstoffe sehr gut bewährt und konnte sich am Markt etablieren. Damit hätte ich damals nicht gerechnet”, sagt Monika Jobmann, Mikrokapsel-Spezialistin vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) in Potsdam, mit Blick auf die Prognosen vor zehn Jahren.
Seit mehreren Jahren verbergen sich auch bei der Firma Henkel hinter Aufschriften auf Waschmitteln und Weichspülern wie „Mit 100 Prozent mehr Frischeperlen” mikroverkapselte Duftstoffe. Denn der Verbraucher will nicht nur in dem Moment, wenn er die Verpackung öffnet, vom Geruch des Produkts eingenommen sein. Auch nach der Wäsche und beim Tragen sollen Kleidung, Bettwäsche und Handtücher einen angenehmen Duft verströmen. Bei Henkel werden aus mehr als 1000 verschiedenen Inhaltsstoffen immer wieder neue Parfüme kreiert. Dank Mikroverkapselungen hat der Konzern jetzt erweiterte Möglichkeiten, um „Parfüm erlebbar zu machen”, sagt Anneliese Wilsch-Irrgang, Leiterin des Henkel Fragrance Center in Krefeld.
Ein Waschmittel- oder Weichspülerduft besteht aus 20 bis 100 Zutaten. Die Parfümeure unterscheiden zwischen „Top-Noten” mit Citrus-Aromen, blumigen oder fruchtigen „Herz-Noten” und holzigen, ledrigen oder moschusartigen „Basis-Noten”. Letztere bilden, wie der Name sagt, das Fundament des Duftgebäudes, der Geruch bleibt besonders lange bestehen. „Top- und Herz-Noten sind dagegen leicht flüchtig und nach der Wäsche kaum noch zu riechen” , erklärt Wilsch-Irrgang das Problem.
Entscheidend ist, wann der Duft freigesetzt werden soll. Hier kommen die Kapseln ins Spiel. Sollen zum Beispiel spezielle Stoffe schon in der Waschmaschine ein Handtuch benetzen, werden sie in Mikrokapseln gepackt, die sich bei Feuchtigkeit öffnen. Andere Noten soll der Verbraucher erst beim Tragen der Wäsche riechen. Diese Kapseln müssen die feuchte Phase unbeschadet überstehen und dürfen erst dann „geknackt” werden, wenn der Kunde sich mit dem Handtuch trocken reibt. Dabei zerplatzen die feinen Polymerhüllen, und der Duftstoff tritt aus. Die Kapsel-Designer schneidern die Kügelchen für jede Anwendung nach Maß, damit die Duftstoffe genau zum richtigen Zeitpunkt und bei der richtigen Aktivität frei werden.
Mikroverkapselte Duftstoffe finden sich inzwischen nicht nur in Weichspülern und Waschmitteln. Die Industrie verwendet sie auch in Deodorants, duftenden Papiertaschentüchern und auf Briefmarken, die nach Rosen riechen, wenn man an ihnen reibt. Gesa Seidel ■





