Die Knochen von vegetarischen Rohköstlern sind deutlich leichter als die von Durchschnittsessern. Trotzdem bedeutet dies nicht automatisch ein höheres Risiko für Osteoporose oder Knochenbrüche, folgert der amerikanische Mediziner Luigi Fontana von der Washington-Universität in St. Louis aus einer Untersuchung. Eine überdurchschnittliche Vitamin-D-Versorgung, ein normaler Aufbau der Knochensubstanz und andere physiologische Werte zeigten, dass deren Knochen dennoch gesund sind. Die geringere Knochenmasse lasse sich mit dem durchschnittlich geringeren Körpergewicht der Rohköstler erklären, schreiben Fontana und seine Kollegen im Fachmagazin Archives of Internal Medicine (Bd. 165, Nr. 6, Seite 684).
Die Forscher untersuchten 18 Rohköstler, die sich strikt vegetarisch ernähren. Bei dieser Kostform wird auf tierische Produkte wie Fisch oder Fleisch verzichtet. Nahrungsmittel wie Gemüse, Früchte, Nüsse, Samen und Sprossen werden roh, ohne zu kochen, verzehrt. Den Rohköstlern stellte der Mediziner Fonatana eine Vergleichsgruppe gegenüber, die auch tierische Produkte, gekochte und industriell weiterverarbeitete Nahrungsmittel auf dem Speisezettel hatte. Im Vergleich zum Normalverbraucher und -esser haben die Rohköstler einen geringeren Body-Mass-Index, fanden die Forscher heraus. Auch war die Knochenmasse der Hüftknochen und der Lendenwirbel reduziert ? an Stellen, die bei geringer Knochensubstanz auf Osteoporose oder Bruchrisiken hindeuten.
Vor solchen Gefahren konnte Fontana aber Entwarnung geben: Andere biologische Marker wie ein hohes Vitamin-D-Niveau und normale Leptin-Werte deuten auf gesunde Knochen hin. Vitamin-D und das Hormon Leptin spielen eine wichtige Rolle beim Knochenaufbau und dem Umbau von Knochensubstanz. Um ganz sicher zu gehen, will Fontana in einer weiteren Untersuchung die Häufigkeit von Knochenbrüchen und Osteoporose unter Rohköstlern aufklären. Auch die Struktur der Knochensubstanz soll mit dem Magnetresonanztomographen genauer analysiert werden.
ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer





