Bizarr, spektakulär und mysteriös: Durch ihre ungewöhnlichen Merkmale avancierten die Spinosaurier zu Promis der kreidezeitlichen Tierwelt. Ihre Entdeckungsgeschichte geht dabei auf das Jahr 1912 zurück: Als erster betrat Spinosaurus aegyptiacus aus Nordafrika die Bühne der Paläontologie. Dieser Raubsaurier war über 16 Meter lang, besaß lange Fortsätze an den Wirbeln und eine krokodilartig verlängerte Schnauze. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass er ein extrem großer Vertreter einer ganzen Gruppe von Raubsauriern war, zu deren Namensgeber er wurde: Außer in Nordafrika wurden auch in Europa, Australien und Nord- und Südamerika kreidezeitliche Raubsaurierarten entdeckt, die sich der Gruppe der Spinosaurier zuordnen lassen.
Aus verschiedenen Studien geht bereits hervor, dass die ungewöhnlichen Merkmale dieser Dinosauriergruppe auf Anpassungen an ein Leben am oder im Wasser zurückzuführen sind. Sie ernährten sich offenbar von Fisch und anderen aquatischen Lebewesen. Vergleichsweise wenig Informationen über diese Tiere konnten bisher allerdings Schädelfossilien liefern, denn von diesen Strukturen gibt es nur recht spärliche Funde. Als der am besten erhaltene Schädel gilt ein Fund aus einer etwa 115 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht im Osten Brasiliens, der im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart aufbewahrt wird. Das etwa 85 Zentimeter lange Fossil stammt von der Spinosaurus-Art Irritator challengeri. Mit etwa 6,50 Meter Länge war er vergleichsweise klein. Er besaß aber ähnliche Grundmerkmale wie der gigantische Spinosaurus aegyptiacus.
Durchleuchtet und biomechanisch analysiert
Auch das vollständigste bekannte Schädelfossil eines Spinosauriers ist allerdings kryptisch geblieben. Denn der schlechte Erhaltungszustand ließ bisher keine detaillierten Einblicke zu. Nun hat ein internationales Paläontologenteam um Marco Schade von der Universität Greifswald die Schädelüberreste mithilfe von Röntgen-Computertomographen aus der Medizin und der Materialforschung genau durchleuchtet. So konnten die Wissenschaftler die einzelnen Knochen herausarbeiten und auf fehlende Teile rückschließen. Aus den Ergebnissen entwickelten sie dann eine dreidimensionale Rekonstruktion des Schädels. Darin spiegelten sich auch einstige Muskelstrukturen wider.
Wie die Paläontologen berichten, lieferte das Schädelmodell interessante Hinweise auf Verhaltensweisen und Anpassungen des Tieres. Die biomechanischen Modellierungen legen demnach nahe: Wenn Irritator sein Maul öffnete, spreizten sich aufgrund der Form des Kiefergelenks bestimmte Knochenstrukturen im Unterkiefer nach außen. Auf diese Weise erweiterte sich der Rachenraum des Tieres, erklären die Wissenschaftler. Obwohl sich der Mechanismus unterscheidet, ähnelt das Konzept somit dem Erweitern des Kehlsacks bei den Pelikanen, schreibt die Universität Greifswald in ihrer Mitteilung zur Studie.





