Am 2. August 2017 sollte endlich etwas getan werden gegen die hohe Belastung der Stadtluft mit Stickoxiden und Feinstaub. Beim Dieselgipfel verhandelten Autohersteller und Politik, wie sich der Abgasausstoß der Diesel-PKW – eine der Hauptursachen für die Luftverschmutzung in Ballungsräumen – verringern lässt. Denn durch zu kleine Tanks für die Abgasreinigung, eine Abschaltautomatik bei Kälte und Schummeleien bei der Software stoßen die Diesel-PKW deutlich mehr Stickoxide aus, als sie dürften.
Das für viele eher enttäuschende Ergebnis des Dieselgipfels: Fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge der Euro-5 und 6-Norm sollen ein Software-Update bekommen, dass den Stickoxid-Ausstoß der Fahrzeuge senkt. Technische Nachrüstungen an der Abgasreinigung lehnten die Autohersteller jedoch ab. Bereits damals prognostizierten Umweltorganisationen und selbst der ADAC, dass die Software-Updates nicht ausreichen werden, um die Stickoxid-Belastungen der Städte genügend zu senken und Fahrverbote zu vermeiden.
Maximal sieben Prozent
Jetzt hat eine Studie des Umweltbundesamts dies bestätigt. Der Untersuchung zufolge senkt ein Software-Update selbst im günstigsten Fall die Stickoxid-Belastung um maximal sieben Prozent, wie die Forscher berichten. “Die Wirkung wird jedoch deutlich verringert, wenn Autobesitzer die Updates verweigern oder wenn die Updates nur 15 Prozent Minderung bringen, wie es in Szenario 2 der Fall wäre”, heißt es in der Studie. Dann würde sich die Stickoxid-Belastung der Stadtluft nur um drei Prozent verringern.
Der Grund: “Dass die Luft in den Städten trotz Software-Update kaum spürbar besser wird, liegt ganz einfach am viel zu schlechten Ausgangsniveau der Fahrzeuge”, erläutert UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. “Euro 5-Diesel ohne Update stoßen heute im Schnitt 906 Milligramm Stickstoffoxide pro Kilometer aus. Das ist fünfmal mehr als der Grenzwert von 180 Milligramm. Auch aktuelle Euro 6-Diesel ohne RDE stoßen sechsmal mehr Stickstoffoxide aus dem Auspuff aus als zulässig.”
Zwei Szenarien
Für ihre Studie hatten die Forscher zwei Szenarien untersucht: Ein optimales ging von einem Update bei fünf Millionen Euro-5 und Euro-6 Dieselautos und einer NO2-Minderung von 25 Prozent am Fahrzeug aus. Das zweite Szenario sah ein Update bei 3,5 Millionen Dieselautos und eine NO2-Minderung von 15 Prozent vor.
Wie viel sich dies auf die Luftbelastung in der Stadt auswirkt, prüften die Forscher in einer Simulation am Beispiel zweier Messstellen: Eine liegt in der bisher hochbelasteten Landshuter Allee in München, die zweite in mittelgradig mit Stickoxiden belasteten Mainzer Parcusstraße. Wie die Studie ergab, bringt das Update an stark belasteten Standorten wie der Landshuter Allee eine Minderung der Stickoxid-Belastung um maximal fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. An geringer belasteten Standorten verringert sich die Belastung nur um zwei Mikrogramm.





