In der neuen Sonderausstellung des Naturkundemuseums Stuttgart begegnen Besuchende ab sofort wundersamen Tieren aus dem Erdzeitalter der Trias.
Die Ausstellung lädt dazu ein, sich auf eine Reise durch die Erdgeschichte zu begeben: von der Klimakatastrophe an der Perm-Trias-Grenze bis zum Aufstieg der Saurier. Das Aussterbeereignis unvergleichbaren Ausmaßes in der vulkanischen Landschaft wird erlebbar. Animationen auf großen Monitoren lassen Besuchende in die damalige Zeit eintauchen und zeigen auf, wie sich die Ökosysteme neu erfunden haben. Entstanden sind urzeitliche Wälder und Meere als Lebensräume für Tiere, die sich gegenseitig an Skurrilität übertreffen.
Der Giraffenhalssaurier Tanystropheus trägt seinen Namen, weil die Länge seines Halses ein Vielfaches seines restlichen Körpers misst. Eine Körperform, die ihm zum Verhängnis werden konnte: Ausgestellt ist der abgebissene Kopf eines Exemplars, das wohl selbst zum Opfer wurde, als es unter Wasser auf Beutetour war. „Passend zu den vielfältigen Körperformen in der Trias haben wir für die Ausstellung ein Spiel entwickelt, bei dem Besuchende am Bildschirm Körperteile zu einem Saurier kombinieren können. Unter den vielen Möglichkeiten verstecken sich 33 Saurier, die wirklich existiert haben“, sagt Moreno. „In der Trias ist die Evolution völlig abgedreht. Fast alles, was wir uns heute mit viel Fantasie vorstellen können, gab es damals tatsächlich.“
Mechanische Präparation und digitale Methoden
Moreno, eine Kollegin sowie der Panzerlurch „Temmi“ führen als Comic-Charaktere durch die Ausstellung. „An Panzerlurchen habe ich selbst geforscht. Im Laborbereich der Ausstellung zeigen wir anhand des riesigen Panzerlurchs Mastodonsaurus, wie ein Fossil aus dem Gelände als Objekt in die Ausstellung gelangt. Interessierte können uns dabei virtuell über die Schulter schauen und erfahren, wie wir mithilfe mechanischer Präparation und digitaler Methoden Fossilien untersuchen“, sagt Moreno.
Nicht fehlen darf das aktuelle Highlight-Fossil des Museums: Mirasaura grauvogeli, ein Reptil, das erst kürzlich in der Fachzeitschrift Nature beschrieben wurde. Auch weitere Stücke der Grauvogel-Sammlung wie eindrucksvolle Skorpione oder Flügel von Riesenlibellen sind hier erstmals zu sehen. Die Stuttgarter sind das größte Forschungsteam zur Trias-Zeit in Deutschland. Ergänzt wird ihre Expertise durch international führende Forschende, die an vier interaktiven Stationen per Video zu Wort kommen.
Spätestens bevor es dann in der Dauerausstellung weiter zu den Dinosauriern geht, bekommen die Besuchenden noch eine Botschaft mit auf den Weg. „Klimakrisen gab es in der Erdgeschichte schon immer – auch ohne Zutun des Menschen. Allerdings schreitet der heutige Klimawandel viel schneller voran, als wir das aus der Vergangenheit kennen“, sagt Moreno. „Wir sollten uns bewusst sein, dass es zwar immer weiter ging und es sogar Gewinner dieser Krisen gab. Die meisten Arten jedoch haben nicht überlebt.“ ■





