Text: Kurt de Swaaf
Nachts hört man sie am besten. Wer selbst ganz leise ist, sich auf einen liegenden Baumstamm setzt und aufmerksam in den dunklen Wald hineinlauscht, wird wahrscheinlich schon bald dieses unverkennbare Rascheln vernehmen. Mäuse im Laubstreu. Die Nager sind in Mitteleuropa praktisch allgegenwärtig und spielen deshalb wichtige ökologische Rollen. Zu den häufigsten Nagern gehören die sogenannten Waldmäuse der Gattung Apodemus, die in Wäldern aber vor allem durch die Gelbhalsmaus (Apodemus flavicolis) vertreten sind. Bei Eulen, Füchsen und Mardern stehen die kleinen Vierbeiner ganz weit oben auf dem Speisezettel, doch auch sie selber üben durch ihre Ernährungsgewohnheiten einen gehörigen Einfluss aus. „Gelbhalsmäuse sind Samenspezialisten“, erklärt der Biologe Rafał Zwolak von der polnischen Universität Poznan. Die Tierchen fressen am liebsten Bucheckern, Haselnüsse und Eicheln – energiereiches Kraftfutter eben.
Das Verhältnis zwischen Mäusen und Bäumen ist ein ziemlich kompliziertes, wie Zwolak erläutert. Mal nutzen sich beide gegenseitig, mal gibt es ausgeprägte Konflikte. Es hängt von der Populationsdichte ab, meint der Forscher. Denn die bei Apodemus so beliebten Eicheln & Co. dienen ja eigentlich der Vermehrung. Ohne diese Samen sprießen keine neuen Bäumchen. „Wenn es viele Nager gibt, nimmt der Pflanzennachwuchs ab“, sagt Zwolak. Was also gut sei für die Mäuse, günstige Wetterverhältnisse zum Beispiel, oder eine geringe Anzahl an Raubtieren, schade indirekt den Bäumen – und umgekehrt. Das gilt aber nur bis zu einem gewissen Schwellenwert, betont Zwolak. Für eine optimale Samenverbreitung brauchen die Waldriesen nämlich tierische Unterstützung. Vögel und Vierbeiner verschleppen und verbuddeln die Leckerbissen, um sie irgendwann später zu fressen. Gar nicht wenige dieser versteckten Happen werden allerdings nie abgeholt. Aus denen können dann doch Bäume wachsen.
Rafał Zwolak und seine Kolleginnen haben diese Wechselwirkung anhand aufwendiger Freilandstudien untersucht. Das Team legte über drei Jahre hinweg in einem Wald regelmäßig markierte Eicheln aus; die ortsansässigen Mäuse sollten sich nachts darum kümmern. Am nächsten Morgen kehrten die Forschenden zurück und notierten, was mit wie vielen Eicheln geschehen war. Gleichzeitig wurden Keimungsversuche durchgeführt und die Populationsdichten der Nager ermittelt. Zusammengefasst zeigten die Ergebnisse dieser Experimente, dass bei eher geringen Mäusebeständen nicht nur der Eichelverzehr abnimmt, sondern auch der Anteil der vergrabenen Samen steigt. Beides wirkt sich positiv für die Bäume aus. Eicheln können zwar auch oberirdisch keimen, tun dies aber deutlich besser, wenn sie ein paar Zentimeter unter der Erde liegen. In trockenen Jahren ist das praktisch ihre einzige Chance.





