Ob jemand selbst den Lärm eines Presslufthammers verschläft oder aber schon bei einem Flüstern wach wird, lässt sich offenbar anhand der Hirnströme vorhersagen: US-Forscher haben entdeckt, dass die sogenannten Alpha-Wellen anzeigen, wie fest jemand schläft. Bisher hatten Wissenschaftler angenommen, diese Signale würden lediglich in einem entspannten Wachzustand vom Gehirn produziert. Die neue Studie zeigt jedoch, dass sie auch im Schlaf entstehen – und dass die Qualität des Schlafs mit ihrer Ausprägung zusammenhängt: Je stärker die Alpha-Wellen sind, desto schlechter kann das Gehirn störende Geräusche ausblenden. Die Wissenschaftler hoffen, mit Hilfe dieser Entdeckung in Zukunft Schlafstörungen besser behandeln zu können.
Alpha-Wellen gehören zu den zahlreichen elektrischen Signalen im Gehirn und wurden bereits vor etwa hundert Jahren entdeckt. Sie entstehen vor allem, wenn man entspannt ist und die Augen geschlossen sind und verschwinden, sobald man die Augen öffnet. Frühere Studien hatten gezeigt, dass diese Gehirnaktivität auch mit Schlaflosigkeit in Verbindung gebracht werden kann und eine Rolle bei der Empfänglichkeit für Sinnesreize spielt. Daher vermuteten die Wissenschaftler um McKinney, dass die Alpha-Wellen ein Indiz dafür sein könnten, wie empfindlich jemand auf Umweltreize während des Schlafens reagiert.
Um das zu überprüfen, rekrutierten die Forscher insgesamt 13 freiwillige Probanden. Drei Nächte verbrachten die Studienteilnehmer im Schlaflabor, und während des Schlafs maßen die Forscher die Gehirnaktivität mit Hilfe der Elektroenzephalografie (EEG). Durch unterschiedliche Geräusche wie Straßenlärm und Telefonklingeln versuchten die Forscher, den Schlaf der Versuchspersonen zu stören. Je nachdem, wie empfindlich die Probanden auf die akustischen Reize reagierten, steigerten sie den Geräuschpegel – so lange, bis das EEG eindeutig zeigte, dass der Schlaf unterbrochen wurde.
Diese Untersuchungen brachten den Zusammenhang von Alpha-Signalen und dem Schlafverhalten zutage: Je stärker die Alpha-Wellen waren, desto leichter ließ sich der Proband aus dem Schlaf reißen. Das galt allerdings nicht während der REM-Schlafphase. Die Forscher hoffen jetzt, dass diese Entdeckung dabei helfen kann, neue Schlafmedikamente zu entwickeln, die auf die Gehirnaktivität abgestimmt sind. “Das wäre eine große Verbesserung gegenüber den herkömmlichen Schlafmitteln, die eher wie ein Hammer wirken und das gesamte Gehirn für die vollständige Nacht betäuben”, erklärt McKinney.
Scott McKinney (Massachusetts General Hospital) et al: PLoS One dapd/wissenschaft.de – Peggy Freede