Eisige Wüsten an den Enden der Welt: Die Polarregionen der Erde scheinen auf den ersten Blick lebensfeindlich zu sein und wenig mit uns zu tun zu haben. Doch das ist nicht der Fall: Unter den schwimmenden Eismassen des Meereises existiert eine üppige Lebenswelt, die weitreichende Bedeutung besitzt. Außerdem spielen die Polarregionen eine wichtige Rolle im globalen Klimasystem und wenn die Gletscher dort zunehmend schmelzen, droht globale Gefahr: Den steigenden Meeresspiegel werden die Menschen an den Küsten der Welt deutlich zu spüren bekommen. Der Erforschung der Systeme und Veränderung der Polarregionen kommt deshalb eine große Bedeutung zu.
Eine Augenzeugin des Wandels berichtet
Im ersten Teilartikel des Titelthemas „Expedition ins Eis“ berichtet die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven Antje Boetius aus erster Hand über die Erforschung der Arktis. Sie gibt Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen bei den Forschungsreisen mit dem Eisbrecher Polarstern, beschreibt die Vorgehensweisen und Ziele des Forscherteams sowie die Ergebnisse. Im Fokus steht dabei, wie sich der fortschreitende Rückgang der Meereisflächen auf die arktischen Lebewesen auswirkt.
Wie Boetius hervorhebt, wird sie bei ihrer Forschung Augenzeugin des dramatischen Wandels in der weißen Welt. Es zeichnet sich deutlich ab, was Prognosen befürchten lassen: den Totalverlust des sommerlichen Meereises noch vor der Mitte des Jahrhunderts. Welche konkreten Folgen dies für das Ökosystem und das Weltklima haben könnte, beschreibt die Wissenschaftlerin ebenfalls im Artikel „Die weiße Welt“.
Anschließend richtet sich der Blick vom hohen Norden auf den tiefen Süden der Erde: Die Meereisphysikerin Stefanie Arndt vom Alfred-Wegener-Institut berichtet in einem Interview über die Erforschung des Schnees in der Antarktis. Sie erklärt, warum strukturelle Untersuchungen dieses Niederschlags Erkenntnisse zu den Zusammenhängen zwischen Eis, Ozean und Atmosphäre liefern können. Zudem verdeutlicht sie die Unterschiede zwischen der eisigen Lebenswelt um die Antarktis und der im Nordpolarmeer sowie die verschiedenen Entwicklungen im Zuge des Klimawandels.
Die Arktis weckt problematische Begierden
Im dritten Teilartikel des Titelthemas beschäftigt sich der bdw-Autor Ralf Butscher mit den wirtschaftlichen Interessen an den Rohstoffen in der Arktis. Wie sich abzeichnet, schlummern dort lukrative Vorkommen von Erdöl, Erdgas und Metallen im Untergrund. Den Begierden kommt dabei der Klimawandel sogar zugute: Durch das schmelzende Eis eröffnen sich neue Schifffahrtsrouten, die den Zugang zu den Lagerstätten erleichtern. Schon heute werden arktische Regionen ausgebeutet, berichtet der Autor und es ist mit einer enormen Ausweitung zu rechnen. Ein weiterer problematischer Aspekt ist der zunehmende Tourismus durch Kreuzfahrten im arktischen Bereich. All diese menschlichen Einflüsse könnten enorme ökologische Schäden verursachen, geht aus dem Artikel „Auf Beutezug im hohen Norden“ hervor.





