Der Glaube an dezentrale Strukturen und die Hoffnung, damit unser Leben zu verbessern, ist aus der Geschichte der Umweltbewegung heraus mehr als verständlich. Es war der politische und sympathische Gedanke, statt von wenigen Energie-Monopolisten abhängig zu sein, den Gemeinden und Bürgern das Heft in die Hand zu geben. Es war in den 70er Jahren, als der Ökonom E. F. Schumacher das Buch “Small is beautiful” veröffentlichte, ein Titel, der das Zeug dazu hatte, zum Motto einer ganzen Bewegung zu werden. Auch sein späterer Titel “Die Rückkehr zum menschlichen Maß” sprach vielen aus dem Herzen, nämlich allen, denen die “Multis” verdächtig waren. Es war die Zeit, in der Nestlé vorgeworfen wurde, für den Tod vieler Säuglinge in der Dritten Welt verantwortlich zu sein, als der GAU in Tschernobyl passierte, in Bophal ein Chemiewerk explodierte und die Sandoz-Katastrophe den Rhein vergiftete.
Heute, über 20 Jahre später, ist es noch genauso wichtig, den Strategen von ENBW, Eon, Vattenfall und RWE auf die Finger zu schauen, doch die Menschheit hat ein neues, übermächtiges Problem: das Klima. Bei gleichzeitig teuer und weniger werdendem Öl. Wer dazu beitragen will, dass sich die Temperaturen auf der Erde im Durchschnitt um nicht mehr als zwei Grad erhöhen, und wem der Gedanke zu heiß ist, dass ein fanatischer Al Qaida Kämpfer mit einem Flugzeug in die Kuppel eines AKWs rast, der muss zu dem Schluss kommen, dass wir mit “small is beautiful” nicht weit genug springen können.
Lesen Sie unsere Titelgeschichte ab Seite 18, die zeigt, dass 100 Prozent Ökostrom möglich sind, CO2-frei und bezahlbar. Sie werden mit Sicherheit die aktuellen Diskussionen um Energie, Strompreise oder Laufzeit-Verlängerung von Atomkraftwerken mit guten Argumenten befeuern können. Und weil dieses Thema so facettenreich ist, werden wir demnächst eine zweite Geschichte nachlegen.
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