Das Interesse der Wissenschaft am menschlichen Körper reicht weit in die Zeit vor Christus zurück und ist auch heute noch ungebrochen. Immer wieder wurde versucht, den Körperbau einem Klassifizierungssystem unterzuordnen. Dahinter steckt Rainer Fiesel zufolge der Wunsch, bestimmte Merkmalsausprägungen des äußeren Erscheinungsbildes in Kategorien einzuteilen.
Die Theorie über die Körpertypen geht zurück auf den US-amerikanischen Psychologen und Mediziner Dr. William Sheldon. In den 1950er Jahren machte er 4000 Nacktfotos von Studenten und ordnete sie aufgrund seines subjektiven Eindrucks den drei Körpertypen „endomorph”, „mesomorph” und „ektomorph” zu. Sheldon postulierte, dass man vom Aussehen des Menschen auf dessen Charaktereigenschaften schließen kann. Er ging ebenfalls davon aus, dass der Körpertyp (auch Somatotyp) eines Menschen genetisch vorbestimmt ist und das ganze Leben hindurch einen festgelegten Verlauf zeigt.
Diese These über die Körpertypen hatte aber nicht Sheldon selbst aufgestellt. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte der deutsche Psychiater Ernst Kretschmer drei Körpertypen, die denen Sheldons sehr ähnlich sind. Kretschmer nannte sie „Pygniker”, „Athletiker” und „Leptosom”.
Die drei Körpertypen nach Sheldon
Dr. William Sheldon hat auf der Grundlage von Ernst Kretschmers Überlegungen drei Körpertypen benannt, den endomorphen, den mesomorphen und den ektomorphen Typ. Die Einteilung erfolgte nach der Entwicklung des dreiteiligen Keimblattgewebes (endoderm = Innenschicht, mesoderm = Mittelschicht, ektoderm = Außenschicht) bei Embryos. Sheldon stellte einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Keimblätter und dem späteren Körperbau her und bezog dabei psychische Eigenschaften des Menschen mit ein. Je nach Ausprägung der Keimblätter ordnete er den Embryo einem Typ zu.
Ektomorphe Menschen sind typischerweise dünn, schlaksig und groß. Der Anteil an Körperfett und Muskelmasse fällt bei ihnen gering aus. Die zarte Statur zeichnet sich durch einen kurzen Oberkörper, einen schmalen Brustkorb und eine flache Brust aus. Die Schultern, Hände und Füße sind ebenfalls schmal, die Arme und Beine lang. Kretschmer bezeichnet diesen Typ als Leptosom oder leptomorph. Menschen dieses Typs gelten demzufolge als Denker bzw. „Kopfmenschen”. Diese Perfektionisten kümmern sich um viele Details, sie gelten als zurückhaltend und sind häufig Einzelgänger.
Im Gegensatz zum ektomorphen Typ, neigen endomorphe Menschen zur Gewichtszunahme. Der Körper ist breit gebaut, das Gesicht rund und der Hals kurz. Arme und Beine, sowie die gesamte Statur fallen eher kurz und gedrungen aus. Dieser Körpertyp – von Kretschmer als Pygniker bezeichnet – gilt als geselliger und gelassener Zeitgenosse.





