Zur Erforschung der Immunschwächekrankheit Aids steht der Wissenschaft jetzt ein neues Tiermodell zur Verfügung: eine transgene HIV-Ratte, deren Erbgut das Genom des Aids-Erregers enthält. Die Ratten entwickeln ähnliche Krankheitssymptome wie der infizierte Mensch und ermöglichen so die Erprobung neuer Therapien. Darüber berichten Wissenschaftler der Universität Maryland in Baltimore im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences.
Inzwischen können Medikamente die Virusvermehrung bei HIV-Infizierten effektiv drosseln. Daher wächst die Zahl der Aids-Patienten, die unter chronischen Begleiterkrankungen leiden. “Das HIV-Rattenmodell kann uns Auskunft darüber geben, wie diese Krankheiten entstehen und wie man sie behandeln kann”, sagt der Leiter der Arbeitsgruppe, Joseph Bryant. Im Alter von fünf bis neun Monaten entwickeln die Ratten Symptome, wie sie auch bei infizierten Menschen auftreten: Gewichtsverlust, Muskelschwund, neurologische Störungen sowie Erkrankungen von Haut, Lungen, Nieren und Herz. Bei der Arbeit mit den Tieren besteht keine Infektionsgefahr, da der HIV-Sequenz im Rattengenom zwei Gene fehlen, die für die Bildung infektiöser Viren notwendig sind.
Bisher dienten entweder Affen oder transgene Mäuse als Tiermodelle für die Aids-Forschung. Im Vergleich zu Affen sind Ratten billigere Versuchstiere. Gegenüber Mäusen haben sie den Vorteil, dass größere Mengen an Blut für Tests entnommen werden können, und dass der Infektionsverlauf dem des Menschen ähnelt.
Joachim Czichos





