Eigentlich schien alles auf gutem Wege: Bis in die 90er Jahre hinein nahm der Anteil der Kohle an der Energieversorgung global stark ab. Vor allem in den Industrieländern wurde sie zunehmend von Erdöl und Gas ersetzt. Zwar sind auch dies fossile Brennstoffe, aber bei ihrer Verbrennung wird in Relation weniger CO 2 frei. Deshalb sieht auch der Weltklimarat IPCC in dem Ersatz von Kohlekraftwerken durch weniger kohlenstoffintensive Energietechnologien einen der effizientesten Schritte zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen.
Dramatischer Anstieg
Doch in den letzten Jahren hat sich dieser vielversprechende Trend auf alarmierende Weise gewandelt: “Der Kohleverbrauch ist nicht nur parallel zur wachsenden globalen Wirtschaftskraft angestiegen – er hat das Gesamtwachstum der Energieerzeugung längst überholt”, konstatieren Jan Christoph Steckel vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und seine Kollegen. Allein in den letzten zehn Jahren habe sich der Anteil der Kohle an den jährlichen Zunahmen der Treibhausgas-Emissionen mehr als verdoppelt.
Bisher galten vor allem China und Indien als Triebkräfte dieser neuen Kohleschwemme. Doch wie die Forscher nun vorrechnen, sind diese Schwellenländer leider kein Einzelfall. Stattdessen hat der Kohleanteil an der Energieversorgung bei vielen anderen Entwicklungsländern ebenfalls stark zugenommen. “Tatsächlich sind viele Staaten in Asien und Afrika derzeit dabei, stark in neue Kohlekapazitäten zu investieren und der sehr billigen Kohle zu einer nachhaltigen Renaissance zu verhelfen”, sagt Steckel. “Je ärmer ein Land ist, desto ausgeprägter ist dieser Trend.”
Lauter kleine Chinas
Das aber führt dazu, dass diese Länder zu lauter kleinen und großen neuen Treibhausgasschleudern nach chinesischem Vorbild werden. Schon jetzt hat sich der globale Anstieg der CO 2-Emissionen dadurch maßgeblich beschleunigt, wie die Forscher berichten. So haben die schnell wachsenden Entwicklungsländer ihre Kohleemissionen bereits mehr als verdoppelt. Ihr Anteil an den globalen Emissionen ist von 38 Prozent im Jahr 2000 auf 54 Prozent im Jahr 2011 gewachsen.
Die Hauptursache für die globale Renaissance der Kohle sehen die Forscher im niedrigen Kohlepreis: Weil die Kohle in Relation zu anderen Energiequellen auf dem Weltmarkt deutlich billiger zu bekommen ist, decken die Entwicklungsländer ihren Energiehunger bevorzugt damit. Dabei spielt es inzwischen keine Rolle mehr, ob diese Länder eigene Kohlevorräte besitzen – dank Globalisierung und geringer Preise lohnt sich selbst ein Import der Kohle.





