Irgendwann werde man alle Gedanken und Gefühle entschlüsseln können, sagt Jack Gallant. Die bewussten und die unbewussten. Der Neurowissenschaftler spricht auf der Falling Walls Conference in Berlin , auf der renommierte Forscher jedes Jahr am Tag des Mauerfalls über die Revolutionen in ihren Fächern sprechen (einen zweiten Konferenzbericht, zum Thema Ethik, finden Sie hier). Die Forscher haben dafür nur 15 Minuten Zeit, so dass es sich lohnt, Jack Gallant, der an der University of California in Berkeley arbeitet , anschließend zu fragen: wirklich auch die unbewussten Gedanken? Nun ja, sagt er, die Motivation zu einer kurz bevorstehenden Handlung werde man vielleicht aus der Gehirnaktivität ablesen können. Aber nicht alles, was ein Mensch im Kopf habe. An das Langzeitgedächtnis komme man mit seiner Methode nicht heran. Kindheitserinnerungen wären höchstens dann für ihn entschlüsselbar, wenn die Versuchsperson gerade daran denkt.
Gallants Methode steckt in einem Computerprogramm. Er legt seine Probanden in einen normalen Tomografen und ermittelt die Aktivität in den Hirnregionen. Der Computer berechnet daraus die Gedankeninhalte der Versuchspersonen. 985 Begriffe hat Gallant schon in seinem Repertoire, und für jedes kennt sein Computer die Ähnlichkeit zu allen anderen. “Nehmen wir ein Stachelschwein”, sagt er. “Mit einer Kartoffel hat es zum Beispiel wenig zu tun, aber mit einem Hund schon eher.” Ein Begriff ist nicht an einer Stelle im Gehirn verankert, vielmehr werden der Geruch des Tiers an der einen und seine typischen Geräusche an einer anderen Stelle verarbeitet. Der Computer muss also Muster erkennen, um zu ermitteln, woran ein Proband gerade denkt. Gallant vergleicht seine Entschlüsselung der Gedanken eher mit einem Cartoon als mit einem scharfen Foto.
Prothesen mit seinen Gedanken steuern
Der Versuchsaufbau zeigt schon, dass Gallant noch weit davon entfernt ist, die Gedanken von Menschen zu lesen. Seine Versuchspersonen dürfen sich im Tomografen keinen Zentimeter bewegen, und der Computer muss erst in vielen Durchläufen die Aktivitätsmuster eines bestimmten Gehirns lernen. Aber regulieren müsse man die Technik des Gedankenlesens irgendwann schon, sagt Gallant. “Die Leute haben ein Recht darauf, interessiert – aber auch besorgt zu sein”, sagt er. Er denkt eher an die Steuerung von Prothesen, die durch seine Arbeit möglich werden könnte: Menschen mit einer Behinderung könnten eine Kappe oder ein Stirnband tragen und darüber einen künstlichen Arm oder ihren Rollstuhl steuern. Einer von Gallants Mitarbeitern hat auch getestet, ob eine Suchmaschine erkennen könnte, an welches Gemälde ein Mensch denkt – so wie manche Apps aus einer gesummten Melodie erkennen, um welchen Hit es sich handelt.





