natur: Herr Hoffmann, Sie arbeiten seit 35 Jahren in der Fotovoltaik-Branche. Was sieht Ihr Fazit nach dreieinhalb Jahrzehnten aus?
Winfried Hoffmann: Das lässt sich vielleicht so zusammenfassen: Je länger ich in diesem Sektor arbeite, desto überzeugter bin ich, dass die 100 Prozent-Lösung für die gesamte Welt eher früher als später kommen wird.
Worauf stützen Sie diese optimistische Einschätzung?
Ich arbeite seit 35 Jahren im Industriebereich an diesem Thema und sehe unsere Möglichkeiten. Aber wenn es das alleine wäre, müssten wir wahrscheinlich noch 100 Jahre warten. Und warum: weil leider die überwiegende Zahl der Menschen schlicht nach dem Geldbeutel entscheidet. Würden wir nur für die Umwelt unsere CO2–Last verringern, stünden uns noch ein langer Weg und viel Überzeugungsarbeit bevor. Nein! Die Fotovoltaik wird sich durchsetzen, weil sie bereits heute kostengünstiger ist.
Das überrascht mich jetzt, in der öffentlichen Diskussion scheint es doch so, dass die Erneuerbaren den Strom verteuern …
Fakt ist: Ich habe eine Fotovoltaik-Anlage vor 20 Jahren auf meinem Dach installiert. Damals haben 10 Quadratmeter Fotovoltaik – das entspricht der Leistung eines Kilowatts – 15.000 Euro gekostet. Diese Anlage wurde durch das 1000-Dächer-Programm gefördert, das es von 1991 bis 1994 gab. Damals gab es 70 Prozent Förderung – und für das eine Kilowatt musste ich nur 30 Prozent aus meiner Tasche bezahlen, also 4500 Euro. Heute kostet die gleiche Leistung gerade noch 1500 Euro, und das ohne jede Förderung. Das heißt die Anlage ist heute um den Faktor 10 billiger geworden.
Es wird doch trotzdem immer gesagt, dass konventioneller Strom billiger ist!
Unsere französischen Nachbarn haben das tatsächlich bis vor kurzem noch behauptet und gesagt, dass ihr Atomstrom nur 3 bis 3,5 Cent pro Kilowattstunde kostet. Vergessen haben sie, dass das alles abgeschriebene Anlagen sind und nur den Betrieb berechnet. Wir haben jetzt seit wenigen Wochen aktuelle Zahlen aus Großbritannien auf dem Tisch – mit Daten der Franzosen, die dort die Anlagen bauen wollen. Da kommen wir heute auf 11 Euro-Cent pro Kilowattstunde – und das 35 Jahre lang, und jedes Jahr angepasst an die Inflation. Das heißt unsere britischen Kollegen werden 35 Jahre lang dieses Geld bezahlen. Es ist in meinen Augen die dümmste Entscheidung, die eine Volkswirtschaft machen kann, auf dieser Basis ein Atomkraftwerk zu bauen. Aber so sieht der bereits verhandelte Deal aus.




Dr. Winfried Hoffmann ist Physiker und arbeitet seit 1979 in der Fotovoltaik-Industrie. Heute repräsentiert er als Aufsichtsratsmitglied die SMA und Solar-Fabrik AG.
