Wenn man auf die Häme verzichtet und nachschaut, ob es neben den naiven Futurologen auch kritische Stimmen gab, wird man im angelsächsischen Raum fündig. Etwa in einem Buch aus dem Jahr 1964 mit dem Titel “Operating Manual for Spaceship Earth”, das von dem Universalgenie Buckminster Fuller stammt. In Zeiten der zunehmenden Eroberung des Weltraums durch das amerikanische Apollo-Programm äußerste er als Erster das Gefühl, dass die Menschen mit dem begonnen hatten, was Fuller als “misusing, abusing and polluting” – missbrauchen, misshandeln und verschmutzen – ihres Planeten bezeichnete. Statt Erde sollte unser Planet besser “Poluto” heißen, wie er schrieb. Fuller nannte es eine Verpflichtung der Menschen, ihr Raumschiff “sustainably successful” zu machen, also nachhaltig erfolgreich mit ihm umzugehen.
Technologie und Natur in Einklang bringen
Nach dieser Vorgabe sind in den angelsächsischen Ländern eine Vielzahl von Büchern erschienen, die forderten, eine nachhaltige Zivilisation zu schaffen. Das führte unter anderem dazu, dass 1970 erstmals ein “Earth Day” gefeiert wurde. Der menschliche Einfluss auf die Erde hatte vor allem in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr zugenommen. Ende der 1960er-Jahre bekamen einige Liebhaber und Kenner der Natur und Umwelt den Eindruck, dass die Menschen dabei sogar die Grundlagen für das eigene Leben gefährden konnten.
Diesen Naturwissenschaftlern schlossen sich bald Ökonomen an. 1966 erschien ein erstes Buch zu dem Thema “The Economics of the Coming Spaceship Earth”. Darin überlegt Kenneth Boulding, dass es erstens darauf ankäme, dass Menschen ihre ästhetische Urteilskraft weiterentwickelten – und zweitens, dass die Nationen anerkennen müssen, dass sie der Biosphäre Schaden zufügen. Und drittens gelte es zu verstehen, dass dabei eine “planetary interdependence” entstanden sei, – eine Unabhängigkeit von der Erde – die eine moralische Wirklichkeit nach sich zieht und der nicht allein mit wissenschaftlichen Fakten beizukommen sei. Vielmehr seien viele soziale Neuerungen nötig. Schon 1964 hatte Kenneth Boulding versucht in “The Meaning of the Twentieth Century” darzulegen, wie die Gesellschaft eine hochstechende Technologie entwickeln könnte, die ihre Ressourcen schont und unnötige Umweltzerstörungen vermeidet, während sie sich von einer landwirtschaftlichen zu einer durch und durch industriellen Gesellschaft wandelt.
Handbuch für den Planeten Erde
Die nachhaltige Entwicklung der Erde wurde also schon damals als umfassende politische und gesellschaftliche Aufgabe formuliert. Das Treffen in Paris wird zeigen, ob der Gedanke inzwischen von den Nationen verstanden worden ist und ein gemeinsames Handeln nach sich zieht, zu dem noch immer die Bildung von Menschen gehört. 1972 ist ein Buch mit dem Titel “Only One Earth” erschienen, in denen der Mikrobiologe René Dubois und die Ökonomin Barbara Wood zu erklären versuchten, dass unterschiedliche Länder und unterschiedliche Menschen unterschiedliche Vorstellungen von dem entwickeln, was ihnen zusteht und möglich ist.





