Dabei handelt es sich nicht um nur eine Strategie, sondern um ein ganzes Bündel von verschiedenen Ansätzen. Einige verändern die Killerzellen von Patienten so, dass sie danach auf bestimmte Oberflächenmoleküle entarteter Zellen geeicht sind und diese gezielt suchen und zerstören. Andere verabreichen Patienten eine Substanz, die den Tarn-Mechanismus der Krebszellen blockiert, mit dem diese die Abwehrzellen irreführen. “Bisher funktionieren diese Ansätze nur bei einigen Krebsarten und für einige Patienten, insofern ist es wichtig, die unmittelbaren Vorteile nicht zu übertreiben”, konstatiert Tim Appenzeller, Leiter des News-Bereichs von Science. “Aber viele Krebsspezialisten sind überzeugt, dass wir hier die Geburt eines wichtigen neuen Paradigmas der Krebsbehandlung sehen.”
Mini-Organe, Klon-Embryos und die Gehirnwäsche im Schlaf
Unter den Top Ten der Wissenschaft sind in diesem Jahr weitere biomedizinische Durchbrüche: Im Sommer gelang es Forschern erstmals, ein menschliches Gehirn zu züchten. In einem speziellen Bioreaktor entwickelte sich aus Stammzellen eine Miniaturversion unseres Denkorgans, ähnlich dem, wie es ein Embryo im Mutterleib besitzt. Andere Forscher züchteten mit ähnlichen Methoden Leber- und Nieren-Organoide. Zusammen ein wichtiger Fortschritt bei dem Versuch, Ersatzorgane zu produzieren. Dieses Jahr brachte auch den lange ersehnten Durchbruch in der Klonforschung: US-Forscher gelang es erstmals, eine menschliche Körperzelle zu klonen und daraus einen Embryo im Frühstadium zu züchten. Aus diesem gewannen sie dann humane embryonale Stammzellen und damit die Voraussetzung für maßgeschneiderte Stammzelltherapien. Nach Ansicht vieler könnte dies eine Renaissance des therapeutischen Klonens auslösen – einer Technik, die allerdings in Deutschland und in vielen anderen Ländern verboten ist.
Eine wahre Schwemme von Veröffentlichungen zu unserer Darmflora und ihrer Bedeutung für unsere Gesundheit hat auch sie in die Top Ten des Jahres gespült. Die Milliarden Mikroben in Darm und Magen beeinflussen nicht nur unsere Verdauung und unsere Neigung zu Übergewicht, sie spielen auch bei Autoimmunerkrankungen eine Rolle und erwiesen sich als wichtige Helfer gegen Krebs. Ebenfalls zum Durchbruch des Jahres machte Science die Entdeckung, dass unser Gehirn unseren Nachtschlaf zum Großreinemachen nutzt: Es dehnt in dieser Zeit seine Abwasserleitungen auf und schwemmt molekulare Abfallstoffe aus. Vier weitere, eher methodische Entdeckungen runden den biomedizinischen Bereich ab.
Supernova-Relikte, Solarzellen und das Fossil des Jahres
Mit Strahlung und hohen Energien haben zwei weitere Entdeckungen zu tun: Mit dem Fermi Gammastrahlen-Teleskop der NASA haben Astronomen erstmals nachgewiesen, dass Sternenexplosionen tatsächlich wie kosmische Teilchenbeschleuniger arbeiten und einen speziellen Typ superschneller Protonen erzeugen. Vermutet hatte man dies schon lange, doch das subtile, nur an einem winzigen Buckel im Spektrum erkennbare Signal dafür hat erst das Fermi-Teleskop ausgemacht.





