Wer Chilis schneidet und sich dann die Augen reibt, erlebt den Effekt einer biochemischen Kooperation: Der Chili-Scharfmacher Capsaicin aktiviert ein Molekül namens TRPV1 auf der Oberfläche von schmerzempfindlichen Nervenzellen und löst das bekannte schmerzhafte Hitzegefühl aus. Doch TRPV1 ist nicht nur für Chilis zuständig, sondern auch für den Schmerz beim Berühren einer heißen Herdplatte. Wie aber kommen Hitze und TRPV1 zusammen?
Die Antwort haben jetzt Forscher um den US-Pharmakologen Kenneth Hargreaves gefunden, indem sie Mäuse-Hautstückchen in heißes Wasser tauchten: Bei Temperaturen über 42 Grad Celsius scheint der Körper seine eigenen Scharfmacher zu produzieren – bisher unbekannte Fettsäure-Abkömmlinge, deren Struktur grob der des Capsaicins ähnelt und die ebenfalls TRPV1 aktivieren. Gelänge es, diese Botenstoffe abzufangen oder ihre Bildung zu verhindern, könnte man völlig neue Schmerzmittel entwickeln, glauben die Amerikaner – wirksam etwa gegen Entzündungen, Nervenschmerzen und Krebs.
Doch diese optimistische Einschätzung teilen nicht alle Kollegen. So ist Carla Nau, TRPV1-Expertin vom Universitätsklinikum Erlangen, skeptisch: „Das wird vermutlich nicht reichen, weil beim Schmerz immer viele Wege ans Ziel führen. Verbarrikadiert man einen, übernehmen die anderen.” TRPV1 selbst zu blockieren, scheint auch nicht zu helfen: Das Molekül spielt offenbar bei der Körpertemperatur-Regulierung eine wesentliche Rolle. Wird es ausgeschaltet, kommt es zu Überhitzungen. Kurioserweise hat ausgerechnet Capsaicin die besten Chancen, zu einem TRPV1- Dämpfer zu werden: Lässt man den Scharfmacher länger auf bestimmte Hautstellen einwirken, verursacht er keinen Schmerz mehr, sondern betäubt stattdessen.





