Das Stoffwechseläquivalent hat jedoch eine entscheidende Schwäche, wie Schweizer Forscher nun im „International Journal of Obesity” warnen. Es geht davon aus, dass alle Menschen denselben Grundverbrauch haben. Doch wie viel Sauerstoff unser Körper aufnimmt, hängt entscheidend von seiner Zusammensetzung ab. Muskelmasse setzt viel Sauerstoff in Energie um, Fettgewebe wenig. Der Umsatz von Profisportlern dürfte also über dem Standardwert von 3,5 Milliliter Sauerstoff pro Minute und Kilogramm Körpergewicht liegen. Der Umsatz von Übergewichtigen liegt deutlich darunter, wie Britta Wilms vom Kantonsspital St. Gallen und ihre Kollegen zeigen.
Für ihre Studie maßen die Mediziner den Ruheverbrauch an Sauerstoff bei 1.131 übergewichtigen oder fettleibigen Patienten. Frauen kamen im Schnitt auf einen Wert von 2,47 ml Sauerstoff pro Kilo und Minute, Männer auf 2,62 ml. Je höher der Body-Mass-Index, desto geringer war der Verbrauch. Anschließend mussten 652 Probanden sich zusätzlich bis zur Erschöpfung auf dem Spinning-Fahrrad abstrampeln. Hier fiel die Einschätzung ihrer Leistungen deutlich positiver aus, wenn anstelle des Standard-Wertes ein korrigierter MET-Wert zu Grunde gelegt wurde: Wären im ersten Fall 41 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer an der Grenze von vier METs gescheitert, waren es im zweiten Fall bei beiden Geschlechtern weniger als zehn Prozent.
Die Schweizer Forscher haben nun eine Tabelle mit Korrektur-Faktoren erstellt, damit Ärzte und Physiotherapeuten die MET-Werte je nach Body-Mass-Index korrigieren können. Zwar ist der BMI vermutlich ein schlechterer Indikator für den Grundverbrauch als der Körperfettanteil. Dafür ist er spielend leicht zu ermitteln. Werde weiterhin mit dem Standardwert gerechnet, warnen die Autoren, „wird die Intensität körperlicher Aktivitäten sowie die kardiopulmonare Fitness mit steigendem BMI systematisch unterschätzt.”





