Der Name der Teufelsmauer geht auf eine Sage zurück, die man sich seit Jahrhunderten im Harzvorland erzählt: Der Teufel soll in einer einzigen Nacht eine Mauer errichtet haben, um sich mit Gott um die Herrschaft über die Erde zu streiten – bis ihn der Schrei eines Hahns aufschreckte und er sein fast fertiges Werk aus Wut wieder einriss. Die Brüder Grimm nahmen die Erzählung in ihre Sagensammlung auf, weitere Fassungen ranken sich bis heute um einzelne Felsnadeln wie den Großvater- und den Großmutterfelsen.
Geologische Rarität und ökologisches Refugium
Doch auch jenseits der Sagenwelt ist die Teufelsmauer außergewöhnlich: Ihre markanten Sandsteinfelsen erstrecken sich über rund 20 Kilometer Länge durch das nördliche Harzvorland. Bis zu 20 Meter hoch erheben sich die zerklüfteten Felszähne über das umgebende Land. Kein Wunder, dass schon Johann Wolfgang von Goethe neugierig wurde und die Teufelsmauer im Jahr 1784 besuchte. Schon 1852 wurde die Teufelsmauer zusammen mit der umgebenden Landschaft von der preußischen Regierung unter Naturschutz gestellt.
Auf den nährstoffarmen, sandigen Böden rund um die Teufelsmauer haben sich seltene Pflanzengesellschaften und Vegetationstypen gebildet, darunter Magerrasen und Zwergstrauchheiden. Wanderfalken nutzen die Felswände als Brutplatz, Fledermäuse finden in Spalten und Höhlen Quartiere. Zauneidechse und die als gefährdet geltenden Schlingnatter profitieren von den warmen Gesteinsoberflächen. Die Teufelsmauer und ihre Umgebung sind bis heute Naturschutzgebiet, seit 2006 gehört sie mit dem Harznordrand zu den Nationalen Geotopen.
„Verbindung aus geologischem Erbe und Naturerlebnis“
Jetzt bekommt die einzigartige Felsformation einen weiteren Titel: Sie wurde zum Naturwunder des Jahres 2026 gewählt. Die Naturwunderwahl ist eine Initiative der Heinz Sielmann Stiftung und des Deutschen Wanderverbands. Dafür werden jedes Jahr neun Vorschläge von einer Jury ausgewählt und dann in einer Online-Abstimmung zur Wahl gestellt. Als Naturwunder gelten außergewöhnliche Naturphänomene oder Erscheinungen, die aufgrund ihrer Schönheit, Einzigartigkeit oder Seltenheit Bewunderung und Staunen hervorrufen.
An der vom 10. August bis 27. September 2026 stattgefundenen Online-Abstimmung nahmen in diesem Jahr über 31.730 Menschen teil. Mit 9.666 Stimmen setzte sich die Teufelsmauer gegen die zweitplatzierten Saalfelder Feengrotten in Thüringen und das Brenner Moor in Schleswig-Holstein durch. Damit holte sich die Harzer Felsformation den Titel „Naturwunder des Jahres 2026“. „Die Teufelsmauer zeigt, was Naturkräfte über Jahrmillionen formen können: Wind und Wasser schufen hier eine der markantesten Felsformationen Mitteldeutschlands“, erklärt Carolin Ruh, Vorständin der Heinz Sielmann Stiftung. „Diese Verbindung aus geologischem Erbe und Naturerlebnis macht die Teufelsmauer verdient zum Naturwunder des Jahres.“





