Text: Sylvia Meise
Königskerzen! So weit das Auge reicht – und mittendrin ein Mensch mit Strohhut und Hacke. Wie ein Bild von Matisse, jedenfalls wenn man den Kleinbus am Feldrand ignoriert. Ungewohnt – und doch gibt es ähnliche Felder an einigen Stellen in Deutschland. Diese majestätischen Kerzen blühen in Hohenlohe, einer bäuerlichen Gegend mit rauem Klima in Baden-Württemberg. In der Regel prägen hier Mais, Gerste, Raps und Mastbetriebe das Bild. Bunte Wildpflanzenfelder sind die Ausnahme. Nicht nur Königskerzen fallen auf. Auch Malve, Wildgräser, Kleearten und Hunderte andere Wiesenkräuter werden hier von Rieger-Hofmann aufgezogen wie andernorts Gladiolen oder Brokkoli. Der hohenlohische Betrieb ist einer der größten und ältesten unter den 120 Wildsaatgutproduzenten Deutschlands. Auf die Frage, warum er Wildpflanzen kultiviert, entfährt dem Chef Ernst Rieger eine emotionale Antwort: „Na, weil’s nix mehr gibt! Weil die Artenvielfalt zurückgeht. Da muss man doch was tun – oder?“





