Schweine aus dem Nahen Osten veranlassten europäische Bauern vor 6.000 Jahren, die eigenen europäischen Wildschweine zu domestizieren. So interpretieren englische Forscher die Ergebnisse einer Studie, in der sie die DNA von Schweinen aus Westeuropa, der Türkei und dem Iran verglichen. Demnach brachten vor 12.000 Jahren Bauern aus dem Nahen Osten ihre Schweine mit nach Westeuropa. Die Nachkommen dieser Tiere wurden bis ungefähr 4.000 vor Christus in Europa gehalten. Dann wurden sie nach und nach von den europäischen Schweinen verdrängt, die sich schließlich ihrerseits bis in den Nahen Osten ausbreiteten, erklären die Wissenschaftler.
Für ihre Studie untersuchten die Forscher das Erbgut von Schweinemitochondrien. Mitochondrien sind Bestandteile von Zellen, die ihre eigene DNA besitzen. Die Wissenschaftler begutachteten nicht nur die DNA von heutigen Schweinen, sie untersuchten auch Mitochondrien-DNA aus Überresten von Schweinen aus der Jungsteinzeit. Dabei entdeckten sie ein kleines Erbgutstück namens Y1, das nur in heute lebenden iranischen und türkischen Wildschweinen vorkommt, in modernen europäischen Schweinen fehlt es gänzlich. In der Jungsteinzeit allerdings lebten Schweine mit diesem Erbgut auch in Westeuropa, zuletzt ungefähr 4.000 Jahre vor Christus – dort, wo sich heute Paris befindet. Danach verschwand die Y1-DNA vollständig aus Europa.
Das Verschwinden der Y1-DNA steht nach Meinung der Forscher stellvertretend für das Schicksal der Schweine aus dem Nahen Osten. Nachdem sie zusammen mit Bauern vor 12.000 Jahren aus dem Nahen Osten einwanderten, verteilten sie sich zunächst in ganz Europa. Dort konnten sie aber nur so lange überleben, bis die Bauern begannen, die europäischen Wildschweine zu domestizieren. Diese breiteten sich in den nächsten tausend Jahren in ganz Europa aus und drangen sogar bis in den Nahen Osten vor.
Warum die europäischen Schweine so erfolgreich waren, können sich die Wissenschaftler allerdings nicht erklären. Doch ohne die Schweine aus dem Nahen Osten wäre das wohl nicht möglich gewesen. Die Forscher vermuten, dass erst die fremden Schweine die Menschen der Jungsteinzeit dazu brachten, auch die einheimischen Wildschweine als Haustiere einzufangen.
Greger Larson (Universität Oxford) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0703411104 ddp/wissenschaft.de ? Anja Basters





