Bei der Auswertung medizinischer Berichte stieß Hart auf eine Gemeinsamkeit vieler Arzneipflanzen: Knapp 80 Prozent der untersuchten Wirkstoffe stammten aus Pflanzen, die einen bitteren Geschmack haben. Hart glaubt, genau diese Eigenschaft könnte den Siegeszug der pflanzlichen Medizin eingeleitet haben. Tiere mit einer Vorliebe für bitteren Geschmack nahmen demnach häufiger schmerzlindernde oder andere wohltuende Wirkstoffe zu sich. So waren sie in Zeiten von Krankheiten gesünder und konnten sich besser um ihren Nachwuchs kümmern. Im Lauf der Zeit setzte sich dadurch die Vorliebe für Bitteres immer mehr durch ? und damit auch der Gebrauch der Heilpflanzen.
Viele pflanzliche Wirkstoffe in Medikamenten haben sich nur durchgesetzt, weil sie bitter schmecken. Diese Theorie vertritt der amerikanische Forscher Ben Hart von der Universität von Kalifornien in Davis und verweist darauf, dass selbst Tiere bittere Pflanzen als Heilmittel einsetzen. Seiner Meinung nach hatten Tiere mit einer Vorliebe für Bitteres im Lauf der Evolution einen Vorteil gegenüber anderen, da viele bitter schmeckende Pflanzen Wirkstoffe enthalten, die beispielsweise Schmerzen lindern. Aus dieser Vorliebe wurde im Lauf der Zeit dann die weitverbreitete Tradition, pflanzliche Arzneimittel einzunehmen. Über die Theorie berichtet der Online-Dienst der Fachzeitschrift “Nature”.
Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere verwenden Heilpflanzen. So kauen beispielsweise Schimpansen das Mark einer Pflanze mit schmerzlindernder Wirkung, wenn es ihnen nicht gut geht. Nach Ansicht von Ben Hart ist es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass die Tiere bewusst und absichtlich zu dieser Medizin greifen: Bei der großen Vielfalt an Futterpflanzen und der zum Teil stark verzögerten Wirkung der Inhaltsstoffe sei es für die Affen nahezu unmöglich, den schmerzlindernden Effekt direkt mit dem Genuss einer speziellen Pflanze in Verbindung zu bringen. Harts Schlussfolgerung: Der Gebrauch von pflanzlicher Medizin war kein bewusster Lernprozess, sondern muss durch natürliche Auslese entstanden sein.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





