Seepferdchen-Schleicher
Auch für Seepferdchen, eine zu den Seenadeln ( Syngnathidae) gehörende Fischgruppe, sind Ruderfußkrebse ein Leibgericht. Das Problem dabei: Die schmalen, eher kurzflossigen Seepferdchen gehören nicht gerade zu den schnellen Schwimmern. Sie haben daher keine Chance, die schnellen Ruderfußkrebse bei der Flucht noch zu erwischen. Deshalb nutzen sie eine andere Strategie: Sie schleichen sich zunächst vorsichtig an und positionieren ihren Kopf schräg unterhalb des Krebses. Dann schnellen sie Kopf und Schnauze ruckartig hoch und saugen gleichzeitig den nun vor ihrer Schnauze schwimmenden Krebs ein.
Das Ganze hat nur einen Haken: “Das Seepferdchen muss sehr nahe an die Beute herankommen, damit das funktioniert”, erklären die Forscher. Es darf erst zuschlagen, wenn der Krebs nur noch weniger als zwei Millimeter von der Schnauze entfernt ist. In dieser geringen Entfernung aber müsste es sich normalerweise längst durch die Druckwelle verraten haben. Wie schaffen es die Seepferdchen, trotzdem erfolgreich zu sein?
In Slowmotion auf die Schliche gekommen
Gemmell und seine Kollegen sind dieser Frage nun mit Hilfe von Hochgeschwindigkeits-Kameras und 3D-Messungen nachgegangen. Sie setzten dafür jeweils ein Zwerg-Seepferdchen der Art Hippocampus zosterae in ein kleines Wasserbecken, das mehrere Ruderfußkrebse ( Acartia tonsa) enthielt. Dabei zeichneten sie die Bewegungen der Tiere und des Wassers auf und analysierten beides.
Die Aufnahmen enthüllten, dass das Seepferdchen bei seiner Annäherung eine sehr untypische Bugwelle erzeugt. Statt einen Schwall von Turbulenzen vor sich herzuschieben, entsteht schräg oberhalb seiner Schnauze eine ruhige, relativ störungsfreie Zone im Wasser, wie die Forscher berichten. Selbst wenn sich das Seepferd mit einem Zentimeter pro Sekunde an den Krebs anschleicht, liegen die hydrodynamischen Störungen in dieser Ruhezone unterhalb der Schwelle, die beim Krebs den Fluchtreflex auslöst. Ein weiterer Vorteil: Die ruhige Zone liegt genau in dem Bereich, in dem die Beute idealerweise schwimmen muss, damit das Zuschnappen des Seepferdchens erfolgreich ist.
Was aber verursacht diese ungewöhnliche Ruhezone in der Bugwelle? Eine Antwort lieferten Versuche mit anatomisch genauen Nachbildungen von Seepferdchenköpfen und denen eng verwandter Fische mit fischtypischeren Köpfen. Sie zeigten, dass die ungewöhnliche Bugwelle auf die Form ihres Kopfes und besonders der Schnauze zurückgeht.
Leise Schnauze





