Auch unter Affen haben die Männer an der Spitze kein leichtes Leben: US-Forscher haben bei Alpha-Männchen wildlebender Paviane deutlich mehr Stresshormone im Blut gefunden als bei anderen hochrangigen Gruppenmitgliedern. Der Clan-Chef habe zwar Vorteile bei der Fortpflanzung, die Ergebnisse belegten allerdings, dass das Leben an der Spitze auch Schattenseiten besitze, sagen die Biologen. Sie sehen in diesem Zusammenhang Parallelen zwischen der Affengesellschaft und den Sozialstrukturen des Menschen: ?Studien zufolge ist auch bei uns der soziale Status mit Gesundheits-Aspekten verknüpft?, betont Jeanne Altmann von der Princeton University.
Die Wissenschaftler untersuchten über einen Zeitraum von neun Jahren hinweg die Konzentration von Stresshormonen aus der Gruppe der Glucocorticoide und des Geschlechtshormons Testosteron in Kotproben von 125 männlichen Pavianen. Die Tiere lebten in fünf verschiedenen Gruppen im kenianischen Amboseli-Park. Das Ergebnis: Je höher sich ein Tier in der Sozial-Hierarchie befand, desto weniger Stresshormone und desto mehr Testosteron fand sich in den Proben. Eine Ausnahme bildeten dabei allerdings die Alpha-Männchen der jeweiligen Paviangruppen: Ihre Stress-Werte lagen deutlich über denen der rangnächsten Männchen.
Der starke Stress in der Spitzenposition ist wahrscheinlich die Folge des ständigen Drucks, selbige auch zu behalten, vermuten die Wissenschaftler. Denn Alpha-Männchen sind besonders häufig in Kämpfe verwickelt und müssen dauernd ihre Weibchen bewachen. Dieser Effekt kommt bei den Nachfolgern in der Rangliste nicht so stark zum Tragen, sie profitieren dagegen von den Vorteilen einer relativ hohen Position: Hochrangige Männchen können mehr Weibchen beglücken und bekommen das beste Futter. Das haben frühere Studien an unterschiedlichen Primatengemeinschaften gezeigt.
Den Biologen zufolge könnte die Stressbelastung der Alpha-Männchen erklären, warum sie oft nur kurze Zeit ihre Spitzenposition halten können. Stress hat bekanntermaßen einen hohen Preis, da er unter anderem eine immunschwächende Wirkung besitzt. Tatsächlich ergab eine frühere Studie bereits einen höheren Parasitenbefall bei den Clan-Chefs der Amboseli-Paviane.
Die aktuellen Ergebnisse deuten nach Ansicht der Wissenschaftler darauf hin, dass die Top-Position in tierischen und wahrscheinlich auch menschlichen Gesellschaften typische Licht- und Schattenseiten hat. ?Paviane sind mit dem Menschen verwandt und leben wie wir in komplexen Gemeinschaften?, sagt Teammitglied Laurence Gesquiere von der Princeton University. Sie seien daher gute Modelle, um die Folgen der Rangposition in einer Sozialstruktur zu untersuchen. Dieses Kosten-Nutzen-Verhältnis wollen die Forscher nun in weiteren Studien genauer untersuchen.
Jeanne Altmann von der Princeton University et al. : ?Science?, DOI: 10.1126/science.1207120 wissenschaft.de ? Martin Vieweg





