Er ist die berühmte Lebensader für Millionen von Menschen im Nordosten Afrikas: Der Nil befördert gewaltige Wassermassen vom Äquatorbereich bis ins Mittelmeer und ist dabei für seine jährlichen Überschwemmungen bekannt. Saisonale Niederschläge in seinem Einzugsgebiet führen zu Hochwasserphasen, die bei einem moderaten Ausmaß für Bewässerung und Düngung sorgen: Seit Jahrtausenden sind die regelmäßigen Nil-Überschwemmungen entscheidend für die Nahrungsversorgung der Menschen in der Region. Doch wie wird sich die Aktivität des mächtigen Flusses in Zukunft entwickeln? Die jüngsten Dürre- und Überschwemmungsepisoden in Ägypten, Äthiopien und dem Sudan lassen eine Zunahme der Niederschlagsvariabilität befürchten, die den Fluss prägen könnte. Klimamodelle sagen auch voraus, dass es aufgrund der globalen Erwärmung vor allem zu verstärkten Monsunregenfällen in dieser Region kommen könnte.
Wie verhielt sich einst der Nil?
Um zu beleuchten, wie sich dieser Trend auf das Flusssystem des Nils auswirken könnte, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Denn es gab bereits Zeiten mit feuchteren und wärmeren Klimabedingungen: Während der sogenannten nordafrikanischen Feuchtperiode, vor etwa 11.000 bis 6000 Jahren, kam es zu deutlich erhöhten Niederschlägen im Einzugsbereich des Nils. Um Hinweise darauf zu bekommen, wie sich der Fluss in dieser Ära verhielt, haben die Forschenden um Cécile Blanchet vom GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam einen Sedimentkern untersucht, der aus dem Meeresboden des Mündungsbereichs im Mittelmeer stammt. Er wurde auf die nordafrikanische Feuchtperiode datiert und deckt dabei eine Zeitspanne von 1500 Jahren ab. Der Bohrkern weist Schichtstrukturen auf, die durch die Ablagerung von Schwebeteilchen entstanden sind, die der Fluss bei seinen saisonalen Überschwemmungen einst beförderte, erklären die Forschenden.
Wie sie berichten, ergaben die Untersuchungen des Materials: Die Dicke der Lagen, in denen sich die Überschwemmungsereignisse widerspiegeln, variierte teils drastisch: von 0,3 bis zehn Millimeter. „Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber mehrere Millimeter, die vor der Küste abgelagert werden, sind enorm“, sagt Blanchet. In der Dicke der Schichten, die bei zunehmender Breite auch größere Partikel enthalten, sehen die Forschenden einen zuverlässigen Indikator für die Stärke der einstigen Nilüberschwemmungen. Aus den Ergebnissen ging somit hervor: Die nordafrikanische Feuchtzeit war von extrem starken, aber auch schwachen Nilfluten geprägt. Vor allem in der Zeit von vor 9200 bis 8600 Jahren kam es häufig zu Ablagerung großer Materialmengen vor der Küste, in denen sich ungewöhnlich heftige Überschwemmungsereignisse mit starker Erosionsaktivität widerspiegeln. Offenbar hatte das feuchtere Klima zu sehr starker Variabilität und einem äußerst instabilen Flusssystem geführt hat, wodurch das Niltal möglicherweise unbewohnbar wurde, resümieren die Forschenden.





