Mit ihren langen Sandstränden und ikonischen Strandkörben gehört die Ostsee zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. Doch die Region ist nicht nur für den Tourismus ergiebig: Auch Fischfang und Schiffsverkehr spielen dort eine große Rolle – allerdings mit Folgen für den Meeresboden. Denn Anker, Grundschleppnetze und Unterseekabel hinterlassen sichtliche Spuren am Grund. Doch wie groß ist dieses Problem?
Auf Spurensuche am Meeresboden
Forschende um Giuliana Andrea Díaz-Mendoza von der Universität Kiel haben nun erstmals das Ausmaß menschengemachter Spuren am Meeresboden der Ostsee untersucht. Dafür analysierte das Team in der südwestlichen Ostsee eine Fläche von 2189 Quadratkilometern, die auch die Kieler und Mecklenburger Bucht sowie die Flensburger Förde mit einschloss. Dieses Gebiet untersuchten Díaz-Mendoza und ihre Kollegen mithilfe sogenannter hydroakustischer Methoden. Indem sie also die Ausbreitung und Reflexion von Schallwellen im Wasser analysierten, konnten sie eine dreidimensionale Karte des Meeresbodens erstellen und bei den meisten menschengemachten Spuren auch auf deren konkrete Verursacher schließen.
Das Ergebnis: „Die hydroakustischen Aufnahmen zeigen deutliche Veränderungen des Meeresbodens, die durch viele verschiedene menschliche Aktivitäten verursacht wurden“, berichtet Díaz-Mendoza. Betroffen sind demnach rund 36 Prozent der erfassten Flächen. Mit 91 Prozent den größten Anteil hatten dabei die Grundschleppnetzfischerei und spezielle Geschirre zum Muschelfang. Teilweise konnten die linienförmigen Furchen, die beide typischerweise verursachen, über mehrere Kilometer hinweg verfolgt werden. Die Fanggeräte hinterließen dabei bis zu 20 Zentimeter tiefe und drei Meter breite Gräben. Wiederholtes Schleppnetzfischen kann sogar zu noch breiteren und tieferen Furchen führen, wie das Team erklärt.
Langanhaltende Veränderungen
Darüber hinaus stießen die Forschenden am Meeresgrund auf die bis zu vier Meter breiten und 50 Zentimeter tiefen Abdrücke von Ankern sowie auf Schiffswracks, Unterseekabel, Pipelines und verschiedene weitere Spuren. Diese menschengemachten Strukturen fanden sich vor allem in feinkörnigen Sedimenten, aber auch in sandigen, gemischten und grobkörnigen Bereichen. Wie Díaz-Mendoza und ihre Kollegen berichten, sind viele dieser Spuren menschlicher Nutzung noch Jahre später auf dem Meeresboden sichtbar, die Abdrücke von Ankern zum Beispiel mindestens 14 Jahre lang.
„Diese Aktivitäten stellen eine kumulative Belastung für die marinen Ökosysteme dar und können zu einer Veränderung oder einem Verlust von Lebensräumen führen“, warnen die Forschenden. „Das Verständnis nicht nur der räumlichen Ausdehnung, sondern auch der langfristigen Auswirkungen physikalischer Belastungen des Meeresbodens ist daher unerlässlich, um ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen menschlichen Aktivitäten und der Stabilität der Meeresumwelt zu erreichen“, sagt Díaz-Mendoza.





