Ob als Modellorganismus für die Wissenschaft oder als Plage in der Landwirtschaft: Blattläuse halten immer noch eine Menge Menschen mit ihren ausgeklügelten Überlebensmechanismen auf Trab. Die kleinen Insekten saugen Pflanzensaft aus Blättern und Stängeln verschiedenster Nutzpflanzen, dienen aber auch anderen Tieren wie Vögeln, Florfliegen und Marienkäfern als Nahrung. Letztere jagen die Blattläuse sogar so effizient, dass sie gezielt zur biologischen Schädlingsbekämpfung gezüchtet werden. Eine andere, in der Landwirtschaft vielgenutzte Methode zum Blattlaus-Fangen ist das Aufstellen von Gelbfallen. Denn durch zahlreiche Feldstudien konnte gezeigt werden, dass die kleinen Schädlinge von purem Gelb deutlich stärker angezogen werden als von anderen Farben.
Insekten sehen anders als wir
Doch warum die Farbe Gelb von Blattläusen bevorzugt wird, gibt der Wissenschaft immer noch Rätsel auf. „Trotz der großen Anzahl an Studien zur Reaktion von Blattläusen auf Farben hat man erst in den letzten zwei Jahrzehnten damit begonnen, die zugrundliegenden Mechanismen zu erforschen“, erklären die Agrarwissenschaftler Thomas Döring von der Universität Bonn und Sascha Kirchner von der Universität Kassel. Dies sei jedoch wichtig, da die Farbe Gelb bisher nur durch einen Trial-and-Error-Ansatz als Lieblingsfarbe der Blattläuse identifiziert wurde. Doch die kleinen Insekten nehmen das Farbspektrum anders wahr als wir, sodass sie wohl kaum die von uns als „Gelb“ definierte Farbe mögen, sondern höchstwahrscheinlich einen Bereich im Lichtspektrum, den wir Menschen gar nicht als bestimmte Farbe erkennen und abgrenzen.
Um dem Mechanismus des Farbsehens der Blattläuse und ihrer Reaktion auf Pflanzen näher zu kommen, stellten Döring und Kirchner in zwei aufeinanderfolgenden Frühjahren insgesamt mehr als 200 Farbfallen auf einem Feld auf, die siebzig verschiedene Ausschnitte des sichtbaren Farbspektrums repräsentierten. Mit einem Lichtspektrometer maßen sie die sogenannten Reflexionsspektren der einzelnen Farben – dies verrät die für diesen Farbton relevanten Wellenlängen des Lichts. „Das Spektrometer erlaubt uns, die Farben objektiv zu quantifizieren. Das ist wichtig, weil Menschen Farben ganz anders wahrnehmen als Insekten – auf unsere Augen können wir uns da also nicht verlassen“, erklärt Döring. Für alle Fallen ermittelte das Team, wie viele Blattläuse sich angezogen fühlten und gefangen wurden.
Es bleibt bei Gelb – aber warum?
Die Reflexionsdaten und die Verhaltensdaten, also die Zahl der gefangenen Blattläuse je Falle, bildeten anschließend die Grundlage für zwei mathematische Modelle. Ziel war es, diese Daten miteinander in Beziehung zu setzen – und so herauszufinden, welche Wellenlängen für die Reaktion der Blattläuse entscheidend sind. In das erste Modell ließen die Wissenschaftler bereits bekannte Informationen darüber einfließen, welche Sehzellen bei der Nahrungssuche von Blattläusen angeregt werden. Das zweite Modell kam ohne die physiologischen Daten aus und berücksichtigte ausschließlich das Verhalten der Tiere sowie die gemessenen Reflexionsdaten je Farbe.





