Für ihre Studie nutzten die Forscher eine extra für die Alzheimerforschung entwickelte Zuchtlinie genetisch veränderter Mäuse. In den Gehirnen der Nager bilden sich die für Alzheimer typischen Eiweiß-Ablagerungen, die sogenannten Plaques aus Beta-Amyloid, die nach der gängigen Theorie die Ursache für einen fortschreitenden Verlust von Nervenfunktionen sind. Ähnlich wie beim Menschen leiden auch die Tiere in der Folge unter Gedächtnisstörungen und sind nicht mehr zu normalen Verhaltensweisen in der Lage, beispielsweise zum Nestbau. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung bilden sich die Plaques nicht durch eine Überproduktion der verantwortlichen Beta-Amyloid-Proteine, sondern durch deren unzureichende Beseitigung. Cramer und ihren Kollegen war zu Studienbeginn bekannt, dass der Wirkstoff Bexaroten bestimmte Eiweißstoffe aktiviert, die an Abbaufunktionen beteiligt sind. Wie die Ergebnisse nun nahelegen, kann Bexaroten auf diese Weise offenbar tatsächlich auch der ?Müllabfuhr? in den Nervenzellen des Gehirns auf die Sprünge helfen.
Behandelte Mäuse können wieder Nester bauen
Nachdem sie die Mäuse zwei Wochen lang mit Bexaroten behandelt hatten, seien 75 Prozent der Plaques verschwunden, berichten die Wissenschaftler. Sogar schon nach wenigen Stunden sei der Abbau der Amyloid-Plaques zu beobachten gewesen. Diese Wirkung spiegelte sich auch im Verhalten der Tiere wider, wie anschließende Experimente zeigten: Die behandelten Mäuse schnitten wieder besser in Lern- und Gedächtnistests ab und konnten bereits 72 Stunden nach der ersten Behandlung wieder ein Nest bauen. Eine ähnlich schnelle und effektive Wirkung habe bisher noch kein Alzheimer-Mittel gezeigt:?Bisher benötigten die besten vorhandenen Behandlungen von Alzheimer bei Mäusen mehrere Monate, um die Ablagerungen im Gehirn zu reduzieren?, sagt Paige Cramer.
Noch ist allerdings nicht klar, ob Bexaroten beim Menschen ähnlich effektiv gegen Alzheimer wirkt wie im Mausmodell. Vermutlich können Versuche am Menschen aber schon bald beginnen, da der Wirkstoff bereits als Mittel gegen bestimmte Formen von Lymphdrüsenkrebs zugelassen ist. Es gilt bislang als ein Medikament mit gutem Sicherheits- und Nebenwirkungs-Profil, sagen die Forscher.





