CRISPR: Genmanipulation für jeden
Für Genetiker und Biotechnologen aber ist es das Werkzeug, auf das sie schon lange gewartet haben. Es ist präzise, günstig und so einfach einzusetzen, dass selbst Gentechnik-Laien den Dreh schnell raus haben. Längst gibt es sogenannte “Biohacker”, die im heimischen Garagenlabor an lebenden Zellen herummanipulieren – kein sehr beruhigender Gedanke. Forscher vergleichen die Bedeutung dieser Methode mit der des Volkswagen für die Automobil-Industrie – sie wird zur Allerweltstechnologie. Der medizinischen Forschung eröffnet CRISPR völlig neue Möglichkeiten. Schon haben Forscher mit seiner Hilfe Krankheitsgene aus Mäuse-Erbgut entfernt, virenresistente Schweine gezüchtet und Stechmücken ein Gen eingeschleust, das sie zu ungeeigneten Wirten für den Malaria-Erreger macht.
Auch die Gentherapie am Menschen und sogar Eingriffe in die Keimbahn werden mit CRISPR einfacher – was ethisch bedenklich und höchst umstritten ist. In April sorgten chinesische Forscher für Aufsehen, als sie mittels CRISPR/Cas9 erstmals das Erbgut menschlicher Embryonen editierten. In ihrer umstrittenen Studie ersetzen sie das mutierte Gen, das die erbliche Blutkrankheit Thalassämie verursacht. Ebenfalls eher besorgniserregend ist die Möglichkeit, durch CRISPR eine Art mutagene Kettenreaktion auszulösen, die Genveränderungen schnell und effektiv an folgende Generationen überträgt. Erst vor wenigen Tagen diskutierten Forscher daher auf einem internationalen Meeting, wie die Nutzung von CRISPR künftig reguliert werden könnte. Denn bisher gibt es keine weltweit gültigen Regelungen, die einen Missbrauch oder riskante Experimente verhindern könnten. Zwar ist die Keimbahn-Manipulation des Menschen in Deutschland und einigen andern Ländern verboten, in China und einigen anderen Ländern jedoch gilt dies nicht.
Die weiteren Highlights: Pluto, Impfstoff, Homo naledi
Aber CRISPR ist nicht das einzige Highlight des Jahres 2015. Unter den herausragenden Durchbrüchen ist auch die Mission der NASA-Raumsonde New Horizons zum Pluto. Die von der Sonde übermittelten Daten und Bilder haben unser Bild dieses fernen Zwergplaneten völlig auf den Kopf gestellt. Denn Pluto besitzt fließende Gletscher, einen blauen Himmel mit Wolken und vielleicht sogar aktive Eisvulkane. Herausragend war in diesem Jahr zudem der erste Einsatz eines Impfstoffs gegen Ebola. Die gegen Ende der Ebola-Epidemie in Guinea getestete Vakzine schützte zwischen 75 und 100 Prozent der Geimpften gegen das Ebola-Virus und verhinderte so erfolgreich eine Ausbreitung der Seuche.





