Jetzt sind sie komplett: Ein internationales Forscherteam hat jetzt auch das Genom der Gorillas sequenziert. Damit kann das Erbmaterial aller Menschenaffen miteinander verglichen werden. Laut einer ersten Analyse haben wir Menschen wohl doch mehr gemeinsam mit den größten Primaten als bislang angenommen.
?Unsere Daten sind das letzte genetische Teilchen, das wir für dieses Puzzle ergattern können ? es gibt keine weitere lebende Gattung Menschaffen?, sagt Studienleiter Richard Durbin vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton. ?Wir haben die DNA von Kamilah, einem weiblichen Westlichen Flachlandgorilla, analysiert und ihr Genom mit dem anderer Menschaffen verglichen. Zusätzlich haben wir ihr Erbgut auf Gemeinsamkeiten mit anderen Gorilla-Arten untersucht?, erklärt Durbins Mitarbeiter Aylwyn Scally.
Die Ergebnisse bestätigen, dass der Mensch am nächsten mit dem Schimpansen ( Pan troglodytes) verwandt ist. Dennoch haben wir deutlich mehr mit Gorillas ( Gorilla gorilla) gemeinsam als bisher vermutet. So gleichen 15 Prozent des menschlichen Genoms mehr dem von Gorillas als dem von Schimpansen. Insgesamt teilen wir uns über 24.000 Gene mit den in Zentralafrika beheimateten Primaten.
Schnelle Evolution des Gehörs
Auf der Suche nach Hinweisen auf die unterschiedliche Entwicklung der Gattungen legte das Team um Durbin und Scally ein besonderes Augenmerk auf Gene, die auf Veränderungen im Laufe der Evolution deuten. Demnach entwickelte sich beispielsweise das Gehör sowohl von Gorillas als auch von Schimpansen genauso schnell wie das menschliche. Das wirft neue Fragen auf, denn: “Die schnelle Evolution des menschlichen Gehörs galt bisher als entscheidender Faktor für die Entwicklung der Sprache?, erklärt Chris Tyler-Smith, ebenfalls am Wellcome Trust Sanger Institute tätig.
Die genetische Trennung von Mensch und Affe erfolgte vermutlich vor sechs bis zehn Millionen Jahren. Die Wege der Westlichen und Östlichen Gorillas trennten sich erst vor etwa 1,75 Millionen Jahren. ?Das Gorilla-Genom liefert uns also Hinweise, ab wann sich unsere Vorfahren und unsere engsten Verwandten auseinander entwickelten?, erklärt Scally. ?Unsere Untersuchungen vervollständigen das genetische Bild aller Menschenaffen. Nach jahrzehntelangen Diskussionen haben wir nun die Möglichkeit, dass Paläontologen und Genetiker auf das gleiche Datengerüst zugreifen können?, ergänzt Durbin.
In einem Kommentar zu der Studie betonen Richard Gibbs und Jeffrey Rogers vom Human Genome Sequencing Center in Houston die große Bedeutung der bedrohten Menschenaffen für die Evolution der Primaten. Allein dieser Umstand müsse den Menschen motivieren, die Tiere zu schützen.
Aylwyn Scally (Wellcome Trust Sanger Institute, Hinxton) et al.: Nature, doi: 10.1038/nature10842 Richard Gibbs und Jeffrey Rogers (Human Genome Sequencing Center, Houston): Nature © wissenschaft.de ? Marion Martin





