Forscher der Purdue University und des California Institute of Technology haben die Struktur des Dengue-Virus entschlüsselt. Damit ist ihnen erstmalig eine genaue Analyse der dreidimensionalen Struktur eines Flavivirus’ gelungen. Die Ergebnisse erscheinen in der Märzausgabe der Fachzeitschrift Cell.
Richard Kuhn und Kollegen enträtselten die Struktur des Dengue-Virus mittels Elektronenmikroskopie und einem computergestützten 3D-Bildrekonstruktionsverfahren. Das an der Purdue University entwickelte Programm errechnet aus hunderten hochdetaillierten zweidimensionalen Bildern die dreidimensionale Struktur.
Die Ergebnisse zeichnen ein unerwartetes Bild der Architektur des Dengue-Fiebererregers. Er besteht aus einem relativ ungeordnetem Kern mit RNA als Erbgut, umhüllt von einer Membran aus Fett und Eiweißen. Diese ist wiederum komplett umgeben von einer Hülle aus 180 gleichen Eiweißen. Die Eiweiße sind dabei so angeordnet, dass sie eine Art Ikosaeder mit 20 eingedellten Flächen formen. Dadurch sieht der Virus einem Golfball ähnlich.
Die Feinstruktur lässt darauf schließen, wie die Flaviviren in die Wirtszellen eindringen. Das Forscherteam arbeitet nun mit Hochdruck daran, den Fusionsprozess zwischen dem Dengue-Virus und seiner Wirtszelle aufzuklären.
Mit Hilfe der gewonnenen Strukturdaten können Wissenschaftler die Organisation, Reifung und molekularen Infektionsmechanismen der Flaviviren genauer erforschen. Zur Familie der Flaviviren gehören neben dem Dengue-Virus auch die Erreger des Westnil- und Gelbfiebers, der Japanischen Encephalitis und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis).
Markus Batscheider





