Ein internationales Forscherteam ist den Gründen für die zunehmende Widerstandsfähigkeit des Malaria-Erregers gegen die gängigen Medikamente auf der Spur: Es gelang den Wissenschaftlern, im Erbgut des Erregers Plasmodium falciparum bestimmte Genvarianten zu identifizieren, die für die häufige Resistenz der Parasiten gegenüber den aktuell eingesetzten Wirkstoffen verantwortlich sein könnten. Dazu testeten die Wissenschaftler die Reaktion verschiedener Varianten des Erregers auf diverse Substanzen, die für die Behandlung der Tropenkrankheit eingesetzt werden. Den genauen Ursprung der Resistenzen zu kennen, könnte in Zukunft beim Entwickeln von Wirkstoffen helfen, die das Problem entweder umgehen oder die die verantwortlichen Gene unterdrücken und so die ursprünglichen Mittel wieder schlagkräftig machen.
Weltweit infizieren sich jedes Jahr zwischen 300 und 500 Millionen Menschen neu mit Malaria. Beinahe eine Million von ihnen stirbt an der Krankheit. Malaria wird von der Anopheles-Mücke übertragen, die den Plasmodium-Parasiten in sich trägt. Es existieren vier Typen des Krankheitserregers, erklären die Forscher. Davon ist die Art Plasmodium falciparum die tödlichste. In den vergangenen Jahren haben zudem Resistenzen gegenüber Malaria-Medikamenten dazu geführt, dass in vielen Gebieten, in denen das Sumpffieber permanent auftritt, nur noch wenige effektive Mittel gegen diesen Parasitentypus existieren. Gewisse Parasitenstämme der Art Plasmodium falciparum sind sogar gegen alle bestehenden Arzneimittel resistent, schreiben die Wissenschaftler.
Auf der Suche nach der Ursache dafür analysierten die Forscher jetzt die Wirkung von sieben Malaria-Medikamenten auf 185 verschiedene Plasmodium-falciparum-Parasiten. Dazu kartierten sie das gesamte Erbgut der 146 aus Asien, 26 aus Afrika, 14 aus Amerika und 3 aus Papua-Neuguinea stammenden Krankheitserregern. Anhand dieser Karten untersuchten sie dann, welche der Gene für die Resistenz gegenüber den bei Malaria eingesetzten Wirkstoffen Chloroquin, Sulfadoxin-Pyrimethamin, Mefloquin, Chinin, Amodiaquin, Dihydroartemisinin und Piperaquin verantwortlich sein könnten. Dabei identifizierten sie mehrere Genkandidaten, die Auswirkungen auf die Resistenz gegenüber den Medikamenten haben könnten.
Studien, die ganze Genome einer Parasitenart untersuchten, um der Ursache von Resistenzen auf die Spur zu kommen, sind bisher meist an den technischen Herausforderungen gescheitert, schreiben die Wissenschaftler. Ihr neuer Ansatz stellt ihrer Ansicht nach nun hoch interessante Daten bereit, die aber in folgenden Studien noch weiter ausgewertet werden müssen. So bleibt beispielsweise die Frage, wie genau die jetzt identifizierten Gene die Arzneimittel-Resistenzen beeinflussen und steuern, weiterhin ungeklärt.
Xin-zhuan Su (National Institutes of Health, Bethesda) et al.: Nature Genetics, Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1038/ng.528 ddp/wissenschaft.de ? Regula Brassel





