Ernährungsweise mit Grusel-Faktor: Während andere Fledertiere Insekten jagen, Früchte fressen oder Nektar trinken, schlürfen Vampirfledermäuse ausschließlich Blut. Die drei in Amerika beheimateten Vampirfledemaus-Arten haben sich dabei auf verschiedene Opfer spezialisiert: Zwei zapfen Vögel an – der bekannteste Vertreter ist hingegen auf größere Säugetiere spezialisiert: Die Gemeine Vampirfledermaus (Desmodus rotundus) landet nachts auf ihren Opfern, ritzen mit ihren scharfen Zähnen deren Haut an und lecken dann das austretende Blut. Auf diese Weise lassen die Vampire sogar gelegentlich Menschen zur Ader. Wenn der Tag anbricht, ziehen sich die realen Vorbilder von Graf Dracula dann in ihre Schlafquartiere in hohlen Bäumen zurück, wo sie in Kolonien von bis zu mehreren hundert Tieren leben.
Spiegeln sich Ernährungs- und Lebensweise im Genom wider?
Im Gegensatz zu ihrer Ernährungsweise erscheint das Sozialleben der Vampire ausgesprochen freundlich: Studien haben gezeigt, dass jedes Tier sein persönliches soziales Netzwerk innerhalb der Kolonie besitzt. Die befreundeten Individuen bilden dabei sogar eine Art Sozialversicherungssystem aus: Sie füttern bedürftige Freunde mit heraufgewürgtem Blut. Die Notversorgung hat dabei mit dem geringen Nährstoffgehalt zu tun, der kaum Reserven ermöglicht: Blut enthält zwar viel Protein, besitzt aber sehr wenig Kohlenhydrate – stattdessen ist es mit enormen Mengen Eisen „belastet“. Wie kommen die Tiere mit dieser schwierigen und einseitigen Nahrung zurecht? Um Hinweise auf die speziellen Anpassungen der Vampirfledermäuse zu gewinnen, haben die Forscher um Michael Hiller vom LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik in Frankfurt am Main nun einen Blick in das Erbgut der Vampire geworfen.
Für ihre Studie haben sie das Genom der Gemeinen Vampirfledermaus sequenziert. So konnten die Wissenschaftler das Erbgut der Blutsauger mit bereits bekannten genetischen Informationen von 26 „normalen“ Fledermausarten vergleichen. Zudem kam ein neu entwickeltes Analyseverfahren zum Einsatz, das auf die Erkennung eines wichtigen Aspekts von Anpassungen an spezielle Lebensweisen spezialisiert ist: defekte Gene. Denn oft basieren bestimmte Merkmale nicht auf zusätzlichen Genfunktionen, sondern auf der Modulation oder der Blockade von bestimmten Erbanlagen.
Wie Hiller und seine Kollegen berichten, identifizierten sie dreizehn Gene, die im Lauf der Evolution der Vampirfledermäuse abgeschaltet wurden: Diese Erbanlagen tragen Mutationen, die sie funktionslos machen. Es zeigte sich, dass zwei dieser defekten Gene bei anderen Tieren an der Ausschüttung des blutzuckerregulierenden Hormons Insulin beteiligt sind. Wie die Forscher erklären, haben Vampirfledermäuse die Genfunktionen verloren, weil ihre blutige Nahrung nur wenig Zucker enthält und sie deshalb kaum Insulin benötigen.





