Still war es in den Ozeanen nie – im Meer gibt es viele natürliche Geräuschquellen und das Wasser sorgt für eine besonders weitreichende Ausbreitung von Schall. Dies machen sich einige Meerestiere zunutze: Sie erzeugen für verschiedene Zwecke Töne und besitzen auch die entsprechenden Hörfähigkeiten. Besonders sind dafür die Meeressäuger bekannt: Viele Arten nutzen ihre Laute als Biosonar und zur innerartlichen Kommunikation. Die Vertreter der Delfine können sich dabei komplexe Informationen vermitteln, zeigen zahlreiche Studien. So können sie sich beispielsweise für die gemeinsame Jagd in erstaunlich raffinierter Weise „absprechen“.
Doch in die natürliche Soundkulisse im Meer mischt sich bekanntlich immer mehr der Mensch ein: Der Schiffsverkehr, Bauprojekte und viele weitere anthropogene Geräuschquellen sorgen vielerorts für ein Getöse unter Wasser, das Meerestieren schaden kann – so auch den Delfinen. “Aus denselben Gründen, die es für diese Tiere so vorteilhaft machen, Geräusche zu nutzen, sind sie auch anfällig für Störungen durch Umgebungslärm”, sagt Pernille Sørensen von der University of Bristol. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Delfine von Unterwasserlärm gestört werden und auch ihre Lautäußerungen verändern. Sørensen und ihre Kollegen sind nun allerdings der Frage nachgegangen, inwieweit sich Unterwasserlärm auf das Kommunikationsverhalten und den Erfolg auswirkt, wenn Delfine gemeinsam Aufgaben lösen.
Erstaunliche Kooperationsfähigkeiten
An der Studie nahmen die beiden Tümmler „Delta“ und „Reese“ teil, die bereits für ihre erstaunlichen Kooperationsfähigkeiten bekannt sind: Forscher haben ihnen beigebracht, für eine Belohnung gleichzeitig – innerhalb einer Sekunde – auf zwei Knöpfe zu drücken, die sich jeweils an den beiden Enden einer Versuchsanlage im Wasser befinden. Bei den Experimenten mit verzögerter Freilassung müssen die Tiere zu ihrem Knopf schwimmen und sich dann über Kommunikationsrufe mit dem Partner „absprechen“, um das gemeinsame Knopfdrücken genau zu koordinieren. Das Auslösen mit einer Verzögerung unter einer Sekunde gelingt ihnen dabei normalerweise in etwa 85 Prozent der Fälle.
Doch für die aktuelle Studie brachten die Wissenschaftler nun Krach ins Spiel: Während der Versuche sorgten sie für unterschiedliche Ausmaße der Geräuschbelastung im Wasser. Neben Lautsprechern kam dazu ein Hochdruckreiniger zum Einsatz, mit dem die Stege der in einer Bucht befindlichen Anlage manchmal gereinigt werden. Delta und Reese trugen bei den Experimenten ein mittels Saugnäpfen befestigtes Gerät, das ihre Kommunikationslaute bei der Kooperationsaufgabe aufzeichnete. Zusätzlich wurden die Bewegungen der Tiere durch Videoaufnahmen erfasst.





