Erst klont man Schafe und dann den Menschen – warnten Skeptiker in vielen Kommentaren und Ablehnungen. Sie fühlten sich noch gestärkt, als Dolly 2003 starb und nicht sehr alt geworden war. Offenbar weil das berühmte Schaf ziemlich große arthritische Probleme bekam und womöglich wenig Freude an seinem Dasein fand. Also – gesund leben konnte das Klontier nicht, was die Frage mit sich brachte, wozu man es überhaupt brauchte.
Klonen? Impossible!
Ian Wilmut hat es kürzlich erneut in einem Interview gesagt, das in der britischen Zeitschrift New Scientist erschienen ist (Ausgabe vom 30. April 2016, S. 40). Er interessierte sich für “gene targeting”, damit ist das Einfügen von Genevariationen in ein Lebewesen gemeint, die es dem Organismus erlauben, gezielt ausgewählte Proteine wie Antikörper herzustellen, die therapeutischen Zwecken dienen. Im Laufe der Arbeiten brachten die schottischen Genetiker zwar Schafe zustande, die die anvisierten Proteine in ihrer Milch aufwiesen, aber unter den Kollegen kursierte damals das Diktum, dass das Klonieren von Säugetieren durch den Transfer des Zellkerns einer Körperzelle in eine Keimzelle, die sich dann entwickeln sollte, ausgeschlossen sei – “impossible”, wie Wilmut sich erinnert.
Doch Wissenschaftler, die ein Ziel vor Augen haben, erweisen sich als hartnäckig, stur und sie hoffen auf unerwartete Hilfe. Sie traf für Wilmuts Team in Form eines Unternehmens namens PPL Therapeutics ein, das Kulturen von Zelllinien angelegte. An Weihnachten 1995 erörterten die Schotten den Zelltyp, mit dem man das Experiment unternehmen wollte. Im Laufe des Jahres 1996 wurden 277 Eizellen mit neuem Kernmaterial bestückt, von denen sich 29 Embryonen in Leihmüttern entwickelten.
Eine davon brachte Dolly zur Welt, und während Wilmut und sein Team noch rätselten, ob sie die Biologie, die hinter all dem steckt, überhaupt verstanden hatten – Wilmut meint, dies bis heute nicht geschafft zu haben –, brach der Medienrummel los. Viele Kommentatoren sahen schon überall geklonte Menschen herumlaufen und bemerkten dabei nicht, dass das Hindernis auf diesem schöpferischen Weg nicht in technischen Details des Kerntransfers oder in anderen molekularbiologisch-genetischen Raffinessen steckte, die Wissenschaftler vor zu große Probleme stellen würden.
Das eigentliche Problem
Was die Welt daran hindern sollte und wird, Menschen zu klonieren, kann man sich einfach ausmalen, wenn man fragt, wen man dazu auswählen soll. In Umfragen tauchen häufig die Namen Marilyn Monroe und Albert Einstein auf, und niemand denkt daran, dass die Schauspielerin Selbstmord begangen hat, was nicht nachahmenswert zu sein scheint. Und der Physiker wünschte sich am Ende seines Lebens, als Hausierer zu leben.





