Heringe und Sardinen – Meeresströmungen steuern das Wachstum. Die silbernen Schwärme der Heringe im Atlantik und der Sardinen im Pazifik sind klein geworden. Daran ist nicht nur die Überfischung mit modernen Fangtechniken schuld. Meeresbiologen haben das Rätsel um die natürlichen Schwankungen der Fischbestände gelüftet – und drängen nun auf besseres Management beim Fang.
Jeder machte Überfischung für das Verschwinden der Sardinen verantwortlich, “aber so einfach ist das nicht”, wendet Dr. Richard Parrish ein. Der Fischereibiologe arbeitet beim National Marine Fisheries Service, ein paar Meilen südlich der Sardinenstrasse. Um sich nicht von dem herrlichen Blick auf die Brandung des Pazifik ablenken zu lassen, sitzt er in einem fensterlosen Raum vor seinem Computer: “Die pazifische Sardine ist ein subtropischer Fisch, er mag es warm – zwischen 13 und 20 Grad Celsius. Das Küstengewässer kühlte sich aber in den vierziger Jahren im Durchschnitt um ein bis zwei Grad Celsius ab.” Das genügte, um die Wachstumsraten der Sardinen drastisch zu senken.
Das An- und Abschwellen der Fischschwärme ist ein altes Phänomen: Als Dr. Tim Baumgartner, Meeresgeologe am Scripps Institute of Oceanography in San Diego, bis zu 2000 Jahre alte Ablagerungen vor der Küste Kaliforniens untersuchte, wechselten sich zu seinem Erstaunen Warm- und Kaltwasserfische ab. Sardinenschuppen erschienen gehäuft nur während der warmen Perioden, die 40 bis 60 Jahre dauerten.
Andrei Krovnin und Sergei Rodionov vom Forschungsinstitut für Fischerei in Moskau fanden, daß die größten nordatlantischen Heringsschwärme dieses Jahrhunderts in der warmen Periode von 1920 bis 1950 auftraten. Die sechziger Jahren waren eher kühl – die Bestände schrumpften. Sie wurden aber gleichzeitig vermehrt befischt. 1965 gingen weltweit fünf Millionen Tonnen Hering in die Netze, davon allein 3,7 Millionen Tonnen im Nordostatlantik. In den folgenden Jahren sanken die Erträge rapide – bis auf 1,5 Millionen Tonnen 1980. Noch deutlicher war die Entwicklung in der Nordsee: Bis Mitte der siebziger Jahre waren die ursprünglich auf rund 3 Millionen Tonnen geschätzten Heringsbestände auf 50000 Tonnen dezimiert.
In der Nordsee ist die Zahl der Fische weniger von natürlichen Schwankungen als von der Fischerei abhängig. Zwar bestimmt der nordatlantische Meeresstrom, ein Fortsetzung des warmen Golfstroms, das milde Klima Europas und der Nordsee. “Doch ein Einfluß auf den Hering konnte bisher nicht nachgewiesen werden”, ist Dr. Cornelius Hammer von der Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Hamburg überzeugt.
Hammer und seine Kollegen von der Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Hamburg sind derzeit dabei, zusammen mit dem Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES), die wissenschaftlichen Grundlagen für Fangquoten zu erarbeiten. Damit soll die Europäische Kommission Quoten für die einzelnen Anrainerstaaten bestimmen.
Bruni Kobbe





