Tja.
Der Boden der Altstadt hat sich um mehrere Zentimeter gehoben, tiefe Risse ziehen sich durch die historische Bausubstanz!
Tja.
Warum? So ein schönes Städtchen!
Genau deswegen! Der Ort war dermaßen rausgeputzt, das war nicht mehr zum Aushalten. Sie kennen doch das Badnerlied? “Das schönste Land in Deutschlands Gau’n / das ist mein Badner Land .
. Es ist so herrlich anzuschau’n / und ruht in Gottes Hand.
Genau. Ich empfinde das als Provokation. In Gottes Hand! Ich habe da auch ein Wörtchen mitzureden.
Sie sind beleidigt? Das ist doch kein Grund .
Das war ja nicht alles. Die Wahrheit ist: Die haben mich einfach zu sehr gepiesackt mit ihren Bohrungen.
Sie meinen die Geothermie-Bohrungen, die 2007 unternommen wurden, um das historische Rathaus mit ökologisch korrekter Energie zu versorgen?
Genau, das hat mich echt gejuckt. Im Prinzip sind solche Bohrungen ja Routine, ich habe selber Dutzende in mir stecken. Und in meinem dicken Bauch, wo die Sedimentschichten mehr als 3000 Meter stark sind, ist mir das auch wurscht. Aber an der Grabenschulter, da bin ich empfindlich. Da reicht schon die lächerliche Bohrtiefe von 140 Metern, um mich zu reizen.
Es heißt, die Bohrungen hätten eine unter Druck stehende Grundwasserschicht angebohrt, das Wasser wäre in eine darüberliegende Anhydrit-Schicht aufgestiegen und hätte das Gestein zu Gips aufquellen lassen, sodass der Boden sich nun immer mehr hebt.
Hach, immer diese vereinfachenden Erklärungen! Ich fühle mich da in meiner Vielschichtigkeit nicht so wirklich erkannt. Schließlich bin ich über 40 Millionen Jahre alt und verfüge über einen hochkomplexen Aufbau. Aber gut, sagen wir mal so: Ihre Deutung geht schon ungefähr in die richtige Richtung.
Jedenfalls ist in Staufen die Hölle los. Keiner will an dem Desaster Schuld sein .
. sind sie ja auch nicht, hihi. Aber ich sag’ jetzt auch mal: Die sollen sich nicht so haben. Ich bin ja grundsätzlich friedlich, in puncto Erdbeben zum Beispiel halte ich mich immer sehr zurück. Und was ich hier mache, ist ja wirklich harmlos. In Indonesien gibt es einen Kollegen, einen Schlammvulkan, der ist auch von einer Bohrung angestochen worden – und der spuckt seit fast drei Jahren heiße Suppe in unglaublichen Mengen. Der hat ganze Dörfer überflutet und tausende Menschen obdachlos gemacht. Da geht’s ganz anders ab als hier!





