Die Netzhaut im Auge kann nicht nur passiv Sehinformationen wahrnehmen, sondern hier findet bereits eine erste Verarbeitung statt. Das haben amerikanische Wissenschaftler nachgewiesen. Nach den Ergebnissen der Wissenschaftler um Ernest Greene von der Universität von Kalifornien in Los Angeles werden bereits in der Netzhaut Informationen über die erzeugten Halbbilder für die beiden Gehirnhälften durch spezielle Zellen miteinander verbunden. Dies geschieht sogar in weniger als einer Millisekunde.
Schon lange ist bekannt, dass jede der beiden Gehirnhälften von den Augen nur eine Hälfte des erfassten Bildes zur Weiterverarbeitung übermittelt bekommt. Beide Teile müssen zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden. Diese Verbindung scheint bereits im Auge geschlossen zu werden, schließen Greene und seine Kollegen aus ihren Experimenten.
Die Forscher hatten in ihren Tests Versuchsteilnehmern nacheinander Punktepaare mit einer Hochgeschwindigkeits- LED-Anzeige gezeigt, die zusammengesetzt eine einfache Form ergaben. Dabei wählten die Wissenschaftler die Punktepaare so, dass entweder beide Punkte oder jeweils ein Punkt in einem der beiden Halbbilder lagen. Die einzelnen Punkte eines Paares wurden jeweils für eine zehntel Millisekunde gezeigt, der Abstand zwischen den Paaren variierte zwischen zwei und sechs zehntel Millisekunden. Die Teilnehmer erkannten die Formen gleich gut, unabhängig davon, ob diese im gleichen Halbbild lagen oder nicht. Die Verbindung der Informationen scheint demnach tatsächlich bereits in der Netzhaut stattzufinden.
Greene hat auch schon eine bestimmte Zellart in der Netzhaut im Verdacht, diese Verbindung herzustellen. Die sogenannten Polyaxonalen Amakrinzellen weisen Merkmale auf, die zeitliche und räumliche Unterschiede in Signalen registrieren und koordinieren könnten.
Ernest Greene (Universität von Kalifornien in Los Angeles) et al.: PLoS ONE, Band 9, e871 ddp/wissenschaft.de ? Tobias Becker





