Stürme, zu hohe Wassertemperaturen und ein räuberischer Seestern haben dem größten Korallenriff der Erde schwer zugesetzt: Seit 1985 ist etwa die Hälfte des Korallenbestandes im Great Barrier Reef vor der Nordküste Australiens verschwunden, hat jetzt ein Team von Meeresbiologen um Glenn De?ath vom Australian Institute of Marine Science in Townsville entdeckt. In den vergangenen 27 Jahren hat das Riff demnach so gelitten, dass die Regenerationskraft der Korallen überfordert war.
Den Untersuchungen zufolge sind die Schäden zu 48 Prozent durch tropische Wirbelstürme entstanden, die in den letzten Jahren in der Region gehäuft auftraten. Vermutlich ist diese Zunahme eine Folge des Klimawandels, ebenso wie die Erhöhung der durchschnittlichen Wassertemperatur. Die Wärme schädigt die Nesseltiere und lässt die Korallenäste ausbleichen. Diese Schäden sind für etwa 10 Prozent des gesamten Rückgangs verantwortlich, sagen die Wissenschaftler. Die übrigen 42 Prozent der Verluste gehen auf die explosionsartige Vermehrung der sogenannten Dornenkronen zurück. Diese Seesternart ernährt sich von Nesseltieren und hinterlässt tote Korallenäste.
Stürmen und steigenden Wassertemperaturen stehen die Forscher weitgehend machtlos gegenüber. Um das Riff wieder zu stärken beziehungsweise den Rückgang zu stoppen, wollen sie deswegen den Hebel bei den Seesternen ansetzen. Es gibt bereits Hinweise, dass eine schlechte Wasserqualität die Vermehrung der gefräßigen Tiere begünstigt. Weitere Studien sollen nun untersuchen, welche Möglichkeiten es gibt, die Ausbreitung der Dornenkronen einzuschränken. Wenn dieses Problem verschwände, bekäme das Riff mehr Zeit, sich langsam auf die neuen Umweltbedingungen einzustellen, sagen die Forscher. So könnten sich Teile des Korallenbestandes auch wieder erholen, hoffen Glenn De?ath und seine Kollegen.
Glenn De?ath (Australian Institute of Marine Science in Townsville) et al.: PNAS, doi:10.1073/pnas.1208909109 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg





