Es ist nicht egal, ob man eine Nachricht, eine Information, eine Geschichte hört oder liest. Das Gehirn aktiviert jeweils ganz andere Gehirnregionen. Dies zeigten Wissenschaftler der Carnegie Mellon University erstmals mit Hilfe von Magnetresonanz-Bildgebungsverfahren. Ihre Erkenntnisse haben sie in der Zeitschrift Human Brain Mapping veröffentlicht.
Marcel Just, Professor für Psychologie, und seine Kollegen haben mittels funktionellem Magnetresonanzimaging (fMRI), einem nicht invasiven Bilgebungsverfahren, die Aktivierung von über 20.000 pfefferkorngroßen Gehirnregionen während des Lesens und Hörens beobachtet und alle drei Sekunden aufgezeichnet. Die Texte, die den Versuchspersonen präsentiert wurden, waren Nachrichten und Informationstexte. Sie waren in der Hör- und in der Lesefassung identisch.
Vor allem zwei Erkenntnisse überraschten die Forscher: Beim Lesen ist die rechte Gehirnhälfte ? die für die Vorstellungskraft, das Denken in Bildern und die Kreativität zuständig ist ? weniger aktiv als bisher angenommen. Beim Hören ist, wie die Forscher herausfanden, die so genannte Pars Tringularis in der linken Gehirnhälfte besonders aktiv. Diese pars tringularis gehört zum Broca-Areal, das immer eine Rolle spielt, wenn es um Sprachverarbeitung geht. Diese Region ist auch dafür zuständig, sprachliche Informationen über einen gewissen Zeitraum hinweg aktiv zu halten.
Dies passt zum Wesen des Hörens. Denn gesprochene Sprache ist sehr viel zeitgebundener als geschriebene Sprache, jede Silbe hängt nur für den Bruchteil einer Sekunde in der Luft. Der Mensch ist gezwungen, die Bedeutung des Gehörten sofort zu verarbeiten oder die einzelnen Teile eines Satzes so zu speichern, dass er sie später zurückverfolgen kann. “Demgegenüber liefert die geschriebene Sprache durch sich selbst schon ein ‘externes Gedächtnis’, in dem Informationen wieder gelesen werden können, wenn nötig. In der gesprochenen Sprache braucht man dafür gewissermaßen eine Rückspultaste. Diese Aufgabe leistet das Broca-Areal”, erklärt Just.
Just und seine Kollegen wollen aber keine Bevorzugung der einen oder anderen Informationsaufnahmemöglichkeit empfehlen. Ob man etwas besser mit dem Auge oder mit dem Ohr aufnimmt, hänge letztlich von den Routinen des Einzelnen, vom Inhalt der Information und vom Ziel des Textverständnisses ab, so die Forscher.
Doris Marszk





