Wenn die linke Hand berührt wird, fühlt die rechte mit. Das fanden schwedische Wissenschaftler in Experimenten heraus, bei denen Probanden ihre linke Hand und die Gummiattrappe einer rechten Hand vor sich liegen hatten, die beide von den Wissenschaftler mit einem Pinsel gestreichelt wurden. Die Versuchspersonen meinten, die Berührungen der Gummihand zu spüren und hatten den Eindruck, es wäre ihre eigene rechte Hand, die da berührt wurde, obwohl diese hinter einem Vorhang versteckt war. Durch visuelle Informationen ? die Tatsache, dass die Gummihand gut sichtbar dort lag, wo normalerweise die echte Hand liegt ? wird die Übertragung von taktilen Eindrücken von einer Körperseite auf die andere erhöht.
In den Versuchen verdeckte ein Tuch den Übergang zwischen dem falschem Unterarm der Gummiattrappe und dem echtem Oberarm. Dies genügte, damit die Probanden ihren Augen mehr trauten als ihrem Gefühl: Sie adoptierten die Gummihand gewissermaßen und fühlten mit beiden eigenen Händen mit, wenn die Wissenschaftler mit einem Pinsel über die echte linke und falsche rechte Hand strichen. Damit die Versuchspersonen tatsächlich auf die Gummihand hereinfielen, mussten aber einige Bedingungen erfüllt sein. Gummihand und wirkliche Hand mussten gleichzeitig berührt werden, sie durften nicht zu weit voneinander entfernt sein, eine anatomisch stimmige Position musste eingehalten werden, und die Gummihand durfte keine linke Hand sein, so dass nicht zwei linke Hände auf dem Tisch lagen.
Auf Fragebögen konnten die Probanden bewerten, wie stark sie die Gummihand als ihre eigene empfanden, wenn sie berührt wurde. Über die Hälfte gab an, dass es sich so angefühlt habe, als ob die Gummihand tatsächlich ihre eigene gewesen wäre. Diese Illusion schlug sich auch in physiologischen Reaktionen nieder: Während die Forscher mit einer Nadel wiederholt in die Gummihand stachen, erhöhte sich die elektrische Leitfähigkeit der Haut der hinter dem Vorhang verborgenen rechten Hand. Die Erwartung von Schmerz löst einen Schwitzreflex aus, was die elektrische Leitfähigkeit der Haut verändert. Wie erwartet zeigte sich die echte Hand solidarisch mit der künstlichen und schwitzte für die Gummihand mit.
Die Experimente sind eine Weiterentwicklung der sogenannten “rubber hand illusion”, mit der in den Neunzigerjahren Patienten mit amputierten Gliedmaßen untersucht wurden. Dabei ersetzten Forscher die fehlenden Körperteile durch Attrappen und erzeugten ähnliche Sinnestäuschungen wie bei den Versuchen der schwedischen Wissenschaftler. Diese konnten nun zeigen, dass das Gehirn wesentlich länger braucht, um die Phantomberührung zu spüren, wenn dabei die Körperseite ? also von echter linker auf die falsche rechte Hand ? gewechselt wird.
Valeria Petkova und Henrik Ehrsson (Karolinska-Institut in Stockholm): http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0006933 PLoS ONE (doi:10.1371/journal.pone.0006933) ddp/wissenschaft.de ? Martina Bisculm





