Ihre Zunge könnte Blinden in Zukunft helfen, Bilder zu sehen. Ein von einem internationalen Team unter Leitung des Neuropsychologen Maurice Ptito an der Universität Montreal entwickeltes Gerät wandelt Bilder über elektrische Impulse in ein Raster aus 144 Bildpunkten (Pixeln) um, die anschließend über die Zunge ans Gehirn weitergeleitet werden. Der Blinde muss nur noch das kleine Gerät auf die Zunge legen und mit einem leichten Druck gegen den Gaumen aktivieren, berichtet die Universität Montreal.
Die Bildeinheit der “Zungen-Brille” leitet die Informationen zu einem Hirnbereich namens Cerebraler Cortex, der bei bestimmten Arten von Blindheit ungenutzt ist. Der Mundspeichel ist dabei ein ideales Medium zur Weiterleitung der elektrischen Impulse. Das Gerät könne möglicherweise bald die Blindenschrift ersetzen, denn es sei bereits möglich, einzelne Buchstaben damit auf der Zunge abzubilden, erläutert Ptito. Auf diese Weise sei es möglich, einen Sinn des Menschen durch einen anderen zu ersetzen.
Die Vorteile des Geräts sehen die Wissenschaftler in der einfachen Handhabung. So ist für den Einsatz beispielsweise keine Operation nötig. Um mit dem kleinen Gerät “sehen” zu können, wird eine Eingewöhnungszeit von nur wenigen Minuten benötigt. Die Forscher erhoffen sich, mit einem weiterentwickelten Gerät und einer Miniatur-Kamera im Auge künftig auch komplexere Bilder über die Zungen-Brille für Blinde sichtbar machen zu können.
ddp/bdw ? Oliver Schmid





