Fruchtfliegen geht es wie Männern: Bei hohen Temperaturen nimmt ihre Spermienqualität ab. Anders als Männer haben die kleinen Insekten jedoch im Lauf der Evolution eine Lösung für dieses Problem gefunden, entdeckten nun französische Forscher: Bei Fliegen, die ständig in tropischer Hitze leben, ist das männliche Y-Chromosom verändert, so dass ihre Samenzellen vor den typischen Deformation geschützt sind, die ihre Artgenossen aus gemäßigteren Regionen in der Hitze unfruchtbar machen. Das berichten Dominique Joly und ihre Kollegen vom nationalen Forschungszentrum CNRS in Gif sur Yvette in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Biology (Bd. 207, S. 2735).
Die Wissenschaftler sammelten Fruchtfliegen aus dem eher kühlen Nordfrankreich und verglichen deren Fruchtbarkeit mit der von Fliegen aus Kenia und Indien. Bei 30 Grad Celsius waren die französischen Männchen nicht in der Lage, Nachwuchs zu zeugen ? ganz im Gegensatz zu ihren hitzigeren Artgenossen, die sich munter weiter vermehrten. Eine genauere Untersuchung der Spermien zeigte den Wissenschaftlern, dass der Kopf der Samenzellen bei den unfruchtbaren Männchen deutlich verkümmert war.
Schuld daran ist offenbar das Y-Chromosom, entdeckten die Forscher bei weiteren Experimenten: Genetisch veränderte französische Fliegen, die Y-Chromosomen ihrer tropischen Artgenossen bekommen hatten, konnten sich ebenfalls bei den höheren Temperaturen vermehren. Einige Gene auf dem Chromosom der tropischen Fliegen scheinen demnach die Samenzellen vor der Verkümmerung zu schützen, schließen Joly und ihre Kollegen. Welche Gene genau daran beteiligt sind, können die Forscher jedoch noch nicht sagen. Die Suche dürfte jedoch nicht allzu aufwändig werden: Das Fliegenchromosom enthält nämlich insgesamt nur 15 verschiedene Gene.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





