Der Mensch war und ist für viele Ökosysteme der Welt eine Katastrophe: Besonders verheerend hat sich die Ankunft unserer Spezies auf Inseln ausgewirkt, auf denen sich über eine lange Zeit hinweg Tier und Pflanzenarten ungestört entwickeln konnten. Auf den südpazifischen Gesellschaftsinseln mit ihrem Zentrum Tahiti konnten sich besonders die Partula-Schnecken in viele Arten auffächern: Sie galten deshalb auch als die “Darwin-Finken der Schneckenwelt“. Doch dieser Schatz der Schneckenvielfalt ging den Evolutionsbiologen durch den Einfluss des Menschen verloren.
Die traurige Geschichte begann dabei mit der absichtlichen Einführung der riesigen afrikanische Landschnecke auf den Gesellschaftsinseln. Sie sollte als eine menschliche Nahrungsquelle dienen, doch dann begannen die gefräßigen Weichtiere sich auch über Kulturpflanzen herzumachen und avancierten zu Schädlingen. So entschieden sich Agrarwissenschaftler 1974 erneut für die Einfuhr einer Schnecke – diesmal war es allerdings eine Räuberin: Die rosige Wolfsschnecke (Euglandina rosea) sollte die afrikanischen Landschnecken unter Kontrolle bringen. Dies gelang auch – allerdings mit verheerenden Kollateralschäden: Die einheimischen Baumschnecken der Gesellschaftsinseln waren ebenfalls eine leichte Beute für das räuberische Weichtier. “Die endemischen Arten waren nie zuvor mit einem solchen Raubtier konfrontiert gewesen und so konnte die Wolfsschnecke sehr schnell die meisten der Populationen zum Aussterben bringen”, sagt Co-Autor Diarmaid Ó Foighi von der University of Michigan.
Warum überlebte die weiße Schnecke das Massensterben?
So sind von den einst 61 Arten heute nur noch fünf übrig und ihr weiteres Schicksal ist ungewiss. Am besten haben sich noch die Bestände von Partula hyalina gehalten. Für die Polynesier ist dies Glück im Unglück, denn in ihrer Kultur spielt diese Art wegen ihrer schimmernd weißen Farbe eine besonders wichtige Rolle als Schmuckobjekt. Doch warum hat ausgerechnet diese Art überlebt? Ó Foighi und seine Kollegen gingen in ihrer aktuellen Studie nun der Frage nach, ob dabei vielleicht das strahlende Weiß eine Rolle spielt. Denn vielleicht macht es Partula hyalina hitzeresistenter als die Wolfsschnecke.
Um ihre Vermutung zu testen, beschlossen sie, die typische Lichtexposition von P. hyalina und den Wolfsschnecken im Tagesverlauf zu untersuchen. Die Forscher passten dazu den als kleinsten Computer der Welt bekannten „Michigan Micro Mote“ für ihre Zwecke an: Um mit dem nur wenige millimetergroßen Gerät die Lichtstärke messen zu können, nutzten die Forscher Daten der Energiegewinnung durch die Solarzelle des Winzlings. Die Lichtstärke ließ sich kontinuierlich messen, indem die Wissenschaftler die Geschwindigkeit erfassten, mit der die Batterie aufgeladen wurde. “So konnten wir durch das Rechensystem, das klein genug war, um es auf eine Schnecke zu kleben, Daten generieren, die niemand zuvor erhalten konnte”, sagt Co-Autor David Blaauw von der University of Michigan.





