Wälder und Böden sind wichtige Treibhausgas-Senken im Klimasystem – sie speichern Kohlenstoff in Form von Biomasse und organischem Material und entziehen es damit dem Kohlenstoffkreislauf und vor allem der Atmosphäre. Der jüngste Weltklimabericht und viele Studien haben bereits gezeigt, dass solche natürlichen CO2-Senken auch für den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen. Denn inzwischen ist der Klimawandel so weit fortgeschritten, dass eine Verringerung der CO2-Emissionen allein nicht reichen wird, um das Klimaschutzziel von maximal zwei Grad Erwärmung gegenüber präindustriellen Zeiten noch zu erreichen. Zusätzlich sind Strategien zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre nötig. “Der CO2-Speicherung in holziger Biomasse wie beispielsweise Waldökosystemen wird allgemein ein besonders hohes Potenzial zugeschrieben, zumal dies auch eine Reihe von ökologischen und sozioökonomischen Vorteilen mit sich bringt”, erklären Wayne Walker vom Woodwell Climate Research Center in Massachusetts und seine Kollegen.
Es gibt noch ungenutztes Speicherpotenzial
Wie hoch das noch ungenutzte Potenzial für die CO2-Speicherung in Wäldern und Böden ist, haben die Forscher nun genauer untersucht. “Terrestrische Ökosysteme speichern jährlich enorme Mengen an Kohlenstoff”, erklärt Walker. “Aber um das noch ungenutzte Potenzial dieser Systeme für den Klimaschutz nutzen zu können, müssen wir wissen, wie viel Speicherplatz noch verfügbar ist, wo auf der Welt dieser Platz ist und mit welchen Maßnahmen wir dieses Potenzial am schnellsten nutzen können.” Dafür hat das Team auf Basis von globalen Datensätzen ein Modell entwickelt, das die bisherige und noch verfügbare CO2-Aufnahmekapazität von Bäumen, Baumwurzeln und Böden weltweit aufzeigt. Ihre Weltkarten verdeutlichen dieses Potenzial in einer Auflösung von 500 Metern und für die Gegenwart wie für eine Zukunft mit ungebremstem Klimawandel.
Die Auswertung ergab, dass die Wälder und Böden weltweit schon rund 3,4 Billionen Tonnen Kohlenstoff speichern – das entspricht rund 88 Prozent des maximal Möglichen. “Demnach bleibt ein Defizit von zwölf Prozent oder 494 Milliarden Tonnen Kohlenstoff als Potenzial für eine zusätzliche CO2-Aufnahme”, schreiben Walker und sein Team. Fast drei Viertel dieses nicht genutzten Potenzials liegt dabei in den ober- und unterirdischen Geweben der Bäume. Zieht man von diesem Maximalpotenzial die Landflächen ab, die für die landwirtschaftliche Nahrungsproduktion und für Siedlungsflächen benötigt werden, bleiben immerhin noch 286,7 Milliarden Tonnen ungenutztes Speicherpotenzial in Wäldern und Böden übrig, wie die Forscher berichten.
Optimiertes Waldmanagement effektiver als Aufforstung
Das natürliche CO2-Speicherpotenzial ist dabei nicht gleichmäßig über die Erde verteilt: “Von den drei großen bioklimatischen Zonen beinhalten die Tropen und Subtropen mit 68 Prozent den mit Abstand größten Anteil der ungenutzten Kohlenstoffspeicher”, schreiben die Wissenschaftler. “Das ist fünfmal mehr als die gemäßigte und 3,5-mal mehr als die boreale und polare Zone.” Betrachtet man die Verteilung dieser CO2-Senke auf die einzelnen Länder, liegt die Hälfte des ungenutzten Potenzials in nur sieben Ländern: Russland, Brasilien, die USA, China, die Republik Kongo, Indonesien und Kanada. Dabei enthalten allein die borealen Waldgebiete Russlands rund 15 Prozent des globalen Potenzials, wie das Team ermittelt hat. Rechnet man die Werte allerdings auf ungenutztes Speicherpotenzial pro Fläche um, liegen tropische Länder wie die Philippinen, Indonesien, Myanmar und Tansania vorne.





