Langfristiges Ziel der Europäischen Union ist es, die Treibhausgasemissionen zu senken, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Eine besondere Rolle kommt dabei dem Gebäudesektor zu. „EU-weit sind weiterhin rund 55 Prozent der Haushalte beim Heizen auf Gas, Öl oder Kohle angewiesen“, heißt es in einem Bericht der Bertelsmann Stiftung. Wohngebäude sind dadurch für rund ein Drittel der EU-weiten CO2-Emissionen verantwortlich. Um diese effektiv zu senken, müssten Gebäude dringend energetisch saniert und Heizungen modernisiert werden. Damit die Hausbesitzer Anreize für diese Maßnahmen haben, soll es teurer werden, Emissionen zu verursachen. Geregelt wird dies über den sogenannten CO2-Preis im Europäischen Emissionshandelssystem. Dieser Preis soll für Gebäude ab 2028 erstmals EU-weit einheitlich denselben Wert haben.
Aber wird sich das auch in allen betroffenen Ländern gleichermaßen auf die Heizkosten und damit den Anreiz zum Sanieren auswirken? Das hat nun eine Studie der Bertelsmann Stiftung untersucht. Die Autoren rechneten dabei mit einem Einstiegspreis von etwa 60 Euro pro Tonne CO2 fürs fossile Heizen. Sie analysierten die finanziellen Auswirkungen auf rund 188 Millionen Haushalte in der EU-Bevölkerung je nach Wohnsituation und Einkommen.
Wo das Heizen günstiger wird und wo teurer
Das Ergebnis: Der geplante einheitliche Preis für diese CO2-Emissionen wird sich auf die Haushalte in den verschiedenen europäischen Regionen sehr unterschiedlich auswirken. In Ländern, in denen es bereits jetzt einen solchen CO2-Preis gibt, werden die Heizkosten voraussichtlich nur geringfügig steigen, im Schnitt um 17 Euro pro Jahr und Haushalt. Dazu zählen die meisten Staaten in West- und Nordeuropa, darunter auch Deutschland. „Für die meisten europäischen Haushalte ist die Einführung des CO2-Preises im Gebäudesektor gut verkraftbar“, konstatiert Thomas Schwab von der Bertelsmann Stiftung.
In manchen Ländern liegt der CO2-Preis schon jetzt oberhalb von 60 Euro pro Tonne CO2. Dort würde der Preis dadurch ab 2028 zunächst fallen und das Heizen sogar billiger werden. Das trifft auf Portugal, Irland, Dänemark und Schweden zu. Steigen dürfte der Preis hingegen in Ländern in Ost- und Südeuropa, darunter Polen, die Slowakei, Kroatien und Ungarn, wo es noch keinen CO2-Preis gibt. Pro Haushalt werden dort im Schnitt zwischen 100 und 400 Euro an jährlichen Heizkosten hinzukommen.
„Im Durchschnitt werden die jährlichen Heizkosten in Europa um etwa 60 Euro pro Haushalt steigen“, so die Experten. Entlastet würden in Zukunft tendenziell Menschen in jenen Ländern, die schon sehr viel in den klimafreundlichen Umbau der Wärmeversorgung investiert haben, so das Fazit der Studie. Stärker belastet würden hingegen Haushalte in Ländern, wo die Emissionsminderung im Gebäudesektor noch nicht weit vorangeschritten ist.
Gezielte Unterstützung für bedürftige Haushalte
Problematisch an diesem prognostizierten Zukunftsszenario: In Ländern, wo das Heizen teurer wird, finden sich auch die meisten Haushalte mit niedrigem Einkommen. Diese Menschen werden von den Preissteigerungen besonders schwer betroffen sein, weil für sie der Kostenpunkt „Heizen“ bei den Gesamtausgaben mehr ins Gewicht fällt. Laut der Analyse betrifft das vor allem Frauen und Menschen im Rentenalter und besonders häufig Haushalte in der Slowakei, Ungarn, Rumänien und Polen.
Damit diese vom CO2-Preis und den dadurch anfallenden Mehrkosten stark betroffenen Haushalte nicht überlastet werden, braucht es nach Ansicht der Studienleiter Kompensationen. Entsprechende Maßnahmen müssten allerdings effektiv konzipiert werden. „Mit den Einnahmen der EU aus dem CO2-Preis ist genug Geld vorhanden, um diese Unterstützung zu leisten – wenn die Mitgliedstaaten das Geld treffsicher ausgeben“, sagt Schwab. Helfen sollen dabei nationale Klima-Sozialpläne, die aufzeigen, wie die Länder das dafür von der EU erhaltene Geld verwenden wollen.
Zusätzlich zu diesen sozialen Ausgleichsmaßnahmen wird es nach Ansicht der Stiftung nötig sein, den Umstieg auf klimafreundliche Heizungen staatlich zu fördern, also aus Geldern der EU-Mitgliedsstaaten. Dadurch müssten dann die Hausbesitzer weniger Geld aus eigener Tasche investieren, um eine Wärmepumpe zu kaufen oder ihr Haus an das Fernwärmenetz anzuschließen. Auch hierbei sei jedoch entscheidend, dass die Fördergelder „dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden“, sagt Sara Hagemann von der Bertelsmann Stiftung.
Quelle: Bertelsmann Stiftung, Policy Brief 2026/01





