Bestehende und neu errichtete Gebäude sind für hohe CO2-Emissionen verantwortlich: Im laufenden Betrieb benötigen Gebäude Energie für Heizung, Kühlung, Beleuchtung und Geräte. Für ihren Bau sind zudem in den meisten Fällen Materialien wie Stahl, Beton und Zement erforderlich, deren Gewinnung und Herstellung ebenfalls sehr energieintensiv ist. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten, soll der Gebäudesektor bis 2050 dekarbonisiert werden. Anlässlich der vom 6. bis 18. November stattfindenden UN-Klimakonferenz in Ägypten hat das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) nun den Report “2022 Global Status Report for Buildings and Construction” veröffentlicht, der die Entwicklungen des Sektors darstellt und Empfehlungen gibt.
Höchststand von 2019 übertroffen
Dem Bericht zufolge erreichten die durch Gebäude verursachten Emissionen 2021 mit zehn Gigatonnen CO2 einen neuen Höchststand – zwei Prozent über dem vorherigen Höchststand von 2019 und fünf Prozent über dem Stand von 2020, als die Emissionen bedingt durch die Covid-19-Pandemie leicht zurückgegangen waren. Damit vergrößert sich die Kluft zwischen dem angestrebten Weg der Dekarbonisierung und den tatsächlichen Emissionen des Sektors.
„Die jahrelangen Warnungen vor den Auswirkungen des Klimawandels sind Realität geworden“, schreibt die UNEP-Exekutivdirektorin Inger Andersen im Vorwort zum Bericht. „Im Jahr 2022 erlebten wir Hitzewellen auf der ganzen Welt. Wir sahen Waldbrände, die Wälder, Häuser und Leben zerstörten. Wir haben Dürren erlebt, die die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen bedrohen. Wenn wir die Emissionen nicht rasch im Einklang mit dem Pariser Abkommen senken, werden wir in noch größere Schwierigkeiten geraten.“
Positive und negative Trends
Der Bericht verzeichnet sowohl positive als auch negative Trends: So gingen der Energiebedarf und die Emissionen im Gebäudesektor pro Quadratmeter gegenüber 2015 etwas zurück, vor allem dank Investitionen in energieeffizientere Technologien in Gebäuden. Diese Investitionen stiegen gegenüber 2020 um 16 Prozent an, auf 237 Milliarden US-Dollar. Zugleich vergrößerte sich allerdings die bebaute Gesamtfläche in einem Ausmaß, das deutlich höhere CO2-Emissionen verursachte als durch Energieeffizienzmaßnahmen eingespart wurde: 2021 umfassten alle Gebäude der Welt 242.000 Quadratkilometer. Das entspricht etwa der Größe Großbritanniens. Gegenüber 2015 steigerte sich die weltweite Gebäudefläche um 24.000 Quadratkilometer, mehr als die halbe Fläche der Schweiz.
Aktuell entfallen auf den Gebäudesektor 40 Prozent des europäischen Energiebedarfs; 80 Prozent davon werden bislang durch fossile Brennstoffe erzeugt. „Dies macht den Sektor zu einem Bereich, in dem sofortige Maßnahmen, Investitionen und Strategien zur Förderung der kurz- und langfristigen Energiesicherheit erforderlich sind“, heißt es in dem Bericht. Gerade angesichts des Kriegs in der Ukraine und der daraus resultierenden Energiekrise gewinnt das Thema den Autoren zufolge an Bedeutung. Andersen sieht in der Energiekrise Chance und Herausforderung zugleich: „Beispielsweise machen steigende Kosten für fossile Brennstoffe weitere Investitionen in die Energieeffizienz attraktiver – auch wenn der Kaufkraftschwund die Investitionen bremsen könnte.“





